Der Verband Deutscher Kabelnetzbetreiber e.V. (ANGA) hat am 19. Januar neuerliche Aussagen des ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust zur Digital- und HDTV-Strategie der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten „scharf“ zurückgewiesen. Die Forderung nach einer kostenlosen Kabeleinspeisung der Programme sei ein unzulässiger Eingriff in etablierte Geschäftsmodelle privater Kabelunternehmen, hieß es bei der ANGA.

Boudgoust hatte die Position des öffentlich-rechtlichen Senderverbunds in einem Digitalmagazin-Interview erläutert. „Mit den HDTV-Programmen bieten wir einen echten Mehrwert, den die Kabelnetzbetreiber an ihre Kunden weiterreichen können“, sagte er. Ohnehin seien Einspeiseentgelte ein Relikt aus der analogen Zeit und deshalb ein Auslaufmodell. „Wir bieten allen Kabelnetzbetreibern unser HD-Signal kostenfrei an. Sie müssen nur zugreifen“, forderte Boudgoust die Netzbetreiber auf.

ANGA-Verbandspräsident Thomas Braun wies dies nun zurück. „Es ist eine durch nichts zu rechtfertigende und völlig inakzeptable Position, für die Verbreitung über Satellit und DVB-T viele Millionen Euro zu bezahlen, den Kabelnetzbetreibern aber jegliche Beteiligung an den Übertragungskosten verweigern zu wollen. Es sind die Fernsehveranstalter, die mit dieser Verweigerungshaltung ihren Versorgungsauftrag verletzen. Dies sollte die Medienpolitik nicht länger dulden“, meinte Braun.

Sowohl die öffentlich-rechtlichen Anstalten als auch die Privatsender würden an die Verbreitung ihrer Programme über Kabelnetze ungünstigere Bedingungen stellen als diejenigen, die sie für die Satelliten- und DVB-T-Ausstrahlung vereinbart haben. „Dies betrifft sowohl kommerzielle als auch technische Parameter. Den Kabelnetzbetreibern entstehen dadurch im Wettbewerb der Fernsehempfangswege erhebliche Nachteile“, hieß es bei der ANGA weiter.

Schon heute würden die Kabelnetzbetreiber mit einem kostenlosen Satelliten- und DVB-T-Angebot konkurrieren. Diese Angebote seien nur möglich, weil hier die Fernsehveranstalter alle Kosten tragen. „Nun wollen die Sender im Zuge der HDTV-Einführung diese Ungleichbehandlung zu Lasten der Kabelkunden weiter verschärfen und nehmen damit eine Schädigung der Kabelbranche im Wettbewerb der Fernsehempfangswege in Kauf. Der Verband appelliert an Politik und Regulierungsbehörden, dies nicht länger kommentarlos hinzunehmen“, forderte die ANGA abschließend.

Hintergrund der Debatte: Noch immer ist nicht geklärt, ob Kabel Deutschland (KDG) die HDTV-Regelausstrahlung der öffentlich-rechtlichen Sender einspeisen wird. Gerungen wird dabei um die Rahmenbedingungen der Einspeisung. Während die KDG Einspeisegebühren verlangt, setzen ARD und ZDF auf eine kostenlose Verbreitung der HD-Sender. „Die Einspeisung steht allen Kabelnetzbetreibern frei“, hatte Boudgoust bekräftigt.

Nach aktuellem Stand werden Das Erste HD und ZDF HD in den Kabelnetzen von Kabel BW, Unitymedia und Netcologne sowie bei einer Reihe mittelständischer Kabelnetzbetreiber zu empfangen sein. Dass noch immer unklar ist, ob Kabel Deutschland die neuen hochauflösenden Sender einspeist, führt unterdessen zu wachsendem Ärger bei den KDG-Kunden. „Sie haben kein Verständnis dafür, dass sie gegenüber den Satellitenhaushalten dadurch benachteiligt werden, dass sie keinen Zugang zu den öffentlich-rechtlichen HD-Programmangeboten (hier die jüngsten Showcases) haben“, hatte Verbraucherschützer Michael Bobrowski die aktuelle Situation im Digitalmagazin-Interview skizziert. Letztlich riskiere die KDG, einen nicht unerheblichen Teil ihrer Kundschaft nachhaltig zu verärgern oder gar zu verlieren. Die Verbraucherschützer gaben daraufhin die Empfehlung, sich rechtzeitig mit den möglichen Alternativen zum Anbieter KDG auseinanderzusetzen.