Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber, Kabel Deutschland, enthält seinen rund 9,6 Millionen Kunden die hochauflösenden Ausstrahlungen von ARD, ZDF und EinsFestival im Rahmen ihres aktuellen HDTV-Showcases über die Weihnachtsfeiertage vor.

Am Montag teilte das Unternehmen mit, man betrachte High-Definition-Inhalte als ganz wichtigen Digitalisierungstreiber und wolle seinen Kunden im Free-TV hochauflösende Programmangebote zur Verfügung stellen. Präferiert werde dabei eine Verbreitung ohne zusätzliche Kosten und ohne Nutzungsbeschränkungen. Dazu befinde man sich mit den betreffenden Sendern noch in intensiven Gesprächen.

Den schwarzen Peter für die fehlende Einigung schiebt Kabel Deutschland den öffentlich-rechtlichen Sendern zu: Vor dem Hintergrund, dass viermal soviel Bandbreite beansprucht werde wie beim "normalen" Digital-TV, verursache HDTV in der Infrastruktur und bei der Verbreitung im Kabel höhere Kosten. Bei der Satellitenübertragung seien die Sender bereit, sich an diesen Mehrkosten zu beteiligen. Man könne nicht einsehen, warum es im Kabel anders sein solle.

Mit der gleichen Argumentation hatte Kabel Deutschland bereits im August die Einspeisung der attraktiven HD-Ausstrahlung der Leichtathletik-WM bis zur letzten Minute hinausgezögert und dann auf einige wenige ausgebaute Netzabschnitte beschränkt. Auch damals hatte es Streit gegeben, weil ARD und ZDF die Einspeisung ihrer HD-Sender durch bestehende Verträge abgedeckt sahen, der Netzbetreiber aber zusätzlich kassieren wollte.

Mit seiner Position droht Kabel Deutschland den Anschluss im Markt zu verlieren. Vorstand Adrian von Hammerstein hatte im Juli pikanterweise eine Vorreiterrolle im HDTV-Bereich für sein Unternehmen beansprucht, verzichtet aber offenkundig lieber auf HD-Inhalte von ARD und ZDF, als dafür finanzielle Einbußen hinzunehmen. Auch zum Thema "HD+" äußerte sich Kabel Deutschland kritisch und bedauerte die Tendenz der Privatsender, den Zuschauern Mehrkosten für Free-TV-Inhalte aufzubürden.

Wettbewerber wie Unitymedia, Kabel-BW, Primacom, TeleColumbus oder Netcologne haben offenbar weniger Probleme mit den Modalitäten der HDTV-Einspeisung. In ihren Netzen sind Das Erste HD, ZDF-HD und EinsFestival-HD ohne Mehrkosten für die Zuschauer zu empfangen.