Das hochauflösende Fernsehen (HDTV) steht in Deutschland kurz vor der Einführung. Im Februar nehmen auch ARD und ZDF mit den Olympischen Spielen den Regelbetrieb auf. Bei den Medientagen in München sprachen Experten am Freitag über die Chancen des neuen TV-Standards.

Bertram Bittel, Direktor Technik und Produktion beim Südwestrundfunk sowie Vorsitzender der Produktions- und Technik-Kommission von ARD und ZDF, sagte, zunächst würde vor allem über Sportveranstaltungen wie die Fußball-Weltmeisterschaft oder Wintersport-Ereignisse im neuen HDTV-Format berichtet. Außerdem sollten Unterhaltungsshows wie der ZDF-Fernsehgarten in Zukunft in HD ausgestrahlt werden. "Deutschland ist auf dem HD-Markt ein schlafender Gigant, dessen Erweckung nun endlich kurz bevor steht", urteilte Marcello Maggioni, Senior Vice President Sales & Marketing beim Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Erweckung sei, ergänzte Bertram Bittel, die Abschaltung des analogen Satellitenprogramms. Er gehe davon aus, dass dies zum Stichtag am 30. April 2012 geschehen werde. Auch Astra-Geschäftsführer Wolfgang Elsäßer sagte, er setze große Hoffnungen auf die Entwicklung des HDTV-Marktes. Dass es für die HDTV-Einführung sehr unterschiedliche Philosophien gibt, wurde in der Diskussion deutlich. Andre Prahl, Leiter Programmverbreitung beim Cologne Broadcasting Center, verteidigte vehement das Geschäftsmodell der Mediengruppe RTL, die ebenso die ProSiebenSat.1 auf die digitale Verbreitung über das umstrittene Angebot "HD+" von SES Astra setzt.

"Wir sind ein werbefinanziertes Programm und müssen uns diese Grundlage erhalten", begründete Prahl die Verschlüsselung von "HD+", die ein Vorspulen oder Überspringen von Werbung bei aufgezeichneten Programmen verhindert. Außerdem erschwere die zeitversetzte Nutzung von aufgezeichneten TV-Programmen die Reichweitenmessung der Werbung und mache daher deren Vermarktung fast unmöglich.

Michael Ortlepp, Executive Producer des Telekom-Angebotes T-Home, warnte davor, den Willen der Kunden, für den Mehrwert HD Einschränkungen hinzunehmen oder extra zu bezahlen, zu überschätzen. "Im Moment wird für HD noch mehr bezahlt, ob das in ein oder zwei Jahren noch ist, ist fraglich", sagte der Telekom-Manager. Marcello Maggioni machte deutlich, dass für Sky eine Einschränkung der Nutzungsmöglichkeiten nicht in Frage komme, da die Kunden unter anderem dafür bezahlten, dass sie ein hohes Maß an eigener Kontrolle über das Programm erhalten. "HD verändert zwar das Fernsehen, aber nicht die verschiedenen Geschäftsmodelle", betonte Maggioni abschließend.