Bei der fehlenden Untertitelung einer DVD des öffentlich-rechtlichen Österreichischen Rundfunks (ORF) handelt es sich um Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen.
Zu diesem wegweisenden Urteil ist das Handelsgericht Wien aufgrund der Klage eines gehörlosen Mannes gekommen, teilte der federführende Klagsverband am Montag mit. Die Organisation wurde mit der Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern beauftragt. Ein Fußball-Fan hatte den vom ORF im Jahr 2009 produzierten DVD-Titel "100 Jahre Sturm Graz" gekauft, konnte sie aber nicht verstehen, weil keine Untertitel vorhanden waren.

"Es handelt sich hier um das erste Urteil wegen fehlender Untertitelung, das wir in Österreich haben", sagte Klagsverbands-Generalsekretär Volker Frey. Dem Rechtsspruch sei deshalb eine besondere Bedeutung beizumessen. "Das Urteil ist ein klarer Beweis dafür, dass die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen nicht hingenommen werden kann", so Frey.

Der Richter komme in seinem Urteil zu dem Schluss, dass die Kosten für die Untertitelung keinen unzumutbaren finanziellen Aufwand für den ORF bedeutet hätten. Der öffentlich-rechtliche Sender muss nun 700 Euro Schadenersatz bezahlen. Er hätte sich einen höheren Betrag erwartet, so Frey. Der zuerkannte Schadenersatz sei vor allem deshalb gering, weil der ORF seit 2006 gesetzlich verpflichtet ist, seine Produkte barrierefrei zu gestalten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.