Der Kabelnetzbetreiber Primacom speist die fünf privaten Fernsehsender RTL-HD, Vox-HD, ProSieben-HD, Sat.1-HD und Kabel1-HD in HDTV-Qualität ohne Aufpreis in seine Netze ein.

Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Die Kanäle sind im proprietären "Videoguard"-Standard des Codierungs-Spezialisten NDS (News Corp.) verschlüsselt, damit können sie nicht mit frei erhältlichen Kabel-Receivern und einer herkömmlichen CI-Schnittstelle empfangen werden. Denn für "Videoguard" sind keine freien Conditional Access Module (CAM) erhältlich.

Statt dessen stellt Primacom eine Settop-Box bereit, die zwölf Euro monatlich kosten soll. Damit lassen sich 50 Stunden Programm auf eine 250 GByte große Platte aufnehmen. Der HD-Festplattenreceiver wurde von der Firma Kaon entwickelt und basiert auf einer integrierten NDS-Middleware. An Bord sind die üblichen Features wie Elektronischer Programmführer (EPG), persönliche Favoritenlisten, Jugendschutz, HDMI-Schnittstelle und S/PDIF-Soundausgang.

Auch eine zweite Settop-Box wird angeboten - allerdings ohne Speicher -, die sechs Euro kosten soll. Die Receiver werden auch verkauft. Hier wurden zunächst keine näheren Angaben gemacht, auf der Web-Site sind Preise bislang nicht zu finden.

Die Mindestvertragslaufzeit beträgt 12 Monate, jährlich sind für den Festplatten-Receiver also 144 Euro einzukalkulieren und für die reguläre Box 72 Euro. Hinzu kommen einmalig 10 Euro Versandkosten.

Ob und wenn ja, welche technischen Restriktionen bei Aufzeichnungen von RTL-HD, Vox-HD, ProSieben-HD, Sat.1-HD und Kabel1-HD zum Einsatz kommen, blieb in der Mitteilung offen. Zumindest ein Überspringen der Werbeblöcke in HD-Aufnahmen sind wie bei "HD+" & Co. wohl nicht möglich.

Die Kennungen der privaten HD-Sender waren bereits im September im Primacom-Netz aufgetaucht. Einer angeblich testweisen Verbreitung hatte der Anbieter damals vehement widersprochen und mit der juristischen Keule bei entsprechender Berichterstattung gedroht. Voraussetzung für die Nutzung der neuen HD-Programme ist ein Kabelanschluss, der weitere monatliche Kosten nach sich zieht.

Primacom versorgt seit 1998 als Kabelnetzbetreiber rund eine Million angeschlossene Haushalte in Deutschland. Kerngebiete sind Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Erst kürzlich wurden Kabelhaushalte in Mainz an Kabel Deutschland verkauft. In den vergangenen zehn Jahren hat Primacom nach eigenen Angaben 250 Millionen Euro in die Modernisierung der Netze investiert. Schlagzeilen machte das Unternehmen vor ein paar Wochen durch die Insolvenz seiner Holding. Die luxemburgische Investmentgesellschaft Medfort hat den Kabelnetzbetreiber übernommen.