Ein Starttermin für den DVB-T-Nachfolgestandard DVB-T2 in Deutschland steht noch immer in den Sternen - damit sind auf absehbare Zeit keine hochauflösenden Programme digital-terrestrisch empfangbar.

Der Vorsitzende der Produktions- und Technik-Kommission der ARD Heinz-Joachim Weber wollte in der aktuellen Ausgabe des "Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk" (Februar) keine Aussage zu einem Zeitpunkt machen, in dem DVB-T2 in den Regelbetrieb geht. Eine Einführung des Standards sei von "zahlreichen ungeklärten Fragen begleitet". So sei es vollkommen unklar, ob es dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelingt, das notwendige Frequenzspektrum für einen Simulcastbetrieb von DVB-T und DVB-T2 zu sichern.

Die Bundesnetzagentur bestätigte dem Blatt, dass dort derzeit keine Frequenzen freigehalten würden. Auch könnten wegen der bereits erfolgten Digitalisierung des Fernsehfunks keine weiteren analogen Angebote zu Gunsten von DVB-T2 freigeräumt werden, sagte Behördensprecher René Henn dem "Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk".

Professor Ulrich Reimers vom Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig, der als einer der Väter von DVB-T2 gilt, zeigte sich ebenfalls skeptisch. "Wir haben doch derzeit noch gar keine grundsätzliche Entscheidung für DVB-T2", erklärte er. Man müsse einen nationalen Ansatz für das neue System finden und Vorschläge für eine Einführungsstrategie liefern. Er wies den öffentlich-rechtlichen Sendern die wichtigste Rolle zu.

Der Vorsitzender der Technischen Konferenz der Landesmedienanstalten (TKLM) und oberster Medienhüter in Sachsen, Martin Deitenbeck, sagte dem Blatt, er sehe einen möglichen Startpunkt für DVB-T2 "mit dem Auslaufen der Verträge der privaten Veranstalter für DVB-T Ende 2014". Auch in Frequenzfragen versprühte Deitenbeck im "Meinungsbarometer Rundfunk" Optimismus. Auch ohne die weggefallenen Kapazitäten gebe es noch genug Platz, um den neuen Standard in den Bändern IV und V zu verwirklichen.

DVB-T2 erlaubt durch eine effizientere Kompression auf Basis von MPEG4 und einer verbesserten Modulation mehr Daten in einem Band unterzubringen. Außerdem erhöht sich die Zapping-Geschwindigkeit deutlich, die Signalrobustheit nimmt zu, ein Empfang ist deshalb auch in ungünstigeren Lagen oder mobil möglich. Aktuelle DVB-T-Receiver-Modelle können den neuen Standard nicht empfangen - auch nicht nach einem Software-Update.