Der Satellitenbetreiber SES Astra hat am Montag erstmals offizielle Zahlen zur vor eineinhalb Jahren gestarteten und äußerst umstrittenen "HD+"-Plattform vorgelegt. Und die sind eher durchwachsen ausgefallen.

Den Angaben zufolge bezogen Ende März 769.000 Haushalte eines der verschlüsselten Pay-HD-Programme RTL, Sat.1, ProSieben, Vox, Kabel1, RTL2, Sport1 und Sixx. 827.000 "HD+"-Smartcards wurden in Verbindung mit Digital-Receivern ausgeliefert, 57 Settop-Box-Modelle von 27 Herstellern betteln um Aufmerksamkeit.

Nur 114.000 Kunden zahlten zum Stichtag der Erhebung für das Paket, noch befinden sich 655.000 sind in der Gratisphase. Hoffnung macht SES Astra aber die sogenannte Conversion-Rate: Von den 172.000 Zuschauern, die vom 1. November 2009 bis 31. März 2010 ein "HD+"-Empfangsgerät mit Smartcard gekauft hatten und den Service ein Jahr kostenfrei nutzten, haben zwei Drittel um zwölf Monate verlängert. Ob das auch für die Monate seit und nach März 2010 gilt, ist offen. Dazu gibt es noch keine Zahlen. In der Regel liegt das Interesse zu Beginn weitaus höher.

Der Geschäftsführer der federführenden HD-Plus GmbH, Wilfried Urner, bezeichnete die 114.000 Abonnenten gleichwohl als "kleine Sensation". Dass sich nach einem Jahr so viele Menschen entschieden hätten, den Service zu verlängern, sei ein "tolles Ergebnis", schließlich werde in Deutschland seit 20 Jahren über die Frage gestritten, ob Menschen freiwillig für Fernsehen zahlten. Ob die vorgestellten Zahlen tatsächlich ein Erfolg sind, darüber lässt sich trefflich streiten.

Im Sommer wird die Palette der "HD+"-Empfangsmöglichkeiten um eine weitere Variante erweitert. Dann können auch Satellitenkunden von Sky mit ihrem HD-Receiver das Angebot sehen, eine neue Smartcard ist nicht notwendig, "HD+" wird auf der vorhandenen Karte freigeschaltet. Die Plattform ist heftig umstritten, weil sie technische Restriktionen bei der Aufzeichnung auf Festplatte und bei der Archivierung sowie beim TimeShifting von TV-Sendungen vorsieht. Die Verfügungsgewalt über die Inhalte liegt damit beim Sender und nicht mehr beim Zuschauer.