Die jüngsten Daten der gemeinsam von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle und der GD Kommunikation der Europäischen Kommission entwickelten TV-Datenbank MAVISE spiegeln den aktuellen Stand des europäischen Fernsehmarkts wider. Die MAVISE-Datenbank enthält Zahlen für die EU und die Beitrittskandidaten Kroatien und Türkei, teilte die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle am 8. Juni mit.

Die Abschaltung des analogen terrestrischen Fernsehens ist bereits in 15 europäischen Ländern erfolgt (Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Kroatien, Lettland, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich – Juni 2011, Schweden, Schweiz, Slowenien und Spanien). Hinzu kommen im Prinzip fünf weitere Länder bis Ende 2011 (Frankreich, Island, Malta, Tschechische Republik und Zypern). In der EU werden bis Ende 2011 16 Mitgliedstaaten das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet haben.

Die Zahl der über DVB-T empfangbaren Sender liegt inzwischen bei knapp 1.800 (gegenüber knapp 1.500 im Oktober 2010). In dieser Zahl enthalten sind sehr viele lokale oder regionale Sender, wobei diese nur in zwölf EU-Ländern über eine DVB-T-Plattform ausgestrahlt werden. Besonders viele Lokalsender gibt es in Italien, Spanien und Dänemark.

Die Gesamtanzahl der über DVB-T empfangbaren nationalen und internationalen Sender (über alle Pakete) ist bis Mai 2011 auf über 820 angestiegen (gegenüber 500 im April 2009). Zu beachten ist allerdings, dass darin auch zahlreiche Kanäle enthalten sind, die in mehr als einem Land über DVB-T ausgestrahlt werden, darunter viele paneuropäische Sender.

Innerhalb der EU schwankt die Anzahl der landesweit empfangbaren Kanäle mitunter erheblich. Die Gründe hierfür sind möglicherweise in der Reife des DVB-T-Marktes, der gemeinsamen Nutzung von Frequenzen und der Verfügbarkeit von Pay-TV-Paketen zu suchen. So gibt es beispielsweise die wenigsten Kanäle in den Ländern, die erst unlängst auf DVB-T umgestellt haben (Irland und Portugal). Am anderen Ende der Skala steht Italien, wo die Zahl der nationalen DVB-T-Kanäle deutlich höher als anderswo in der EU ist.

Mit der fortschreitenden Verbreitung von DVB-T wächst auch die Zahl der Betreiber. Dies spiegelt einerseits die in mehreren Ländern unlängst erfolgte Einführung von DVB-T und andererseits die Entstehung neuer Pay-DVB-T-Dienste oder regionaler/lokaler Multiplexe in anderen Ländern wider.

Pay-DVB-T-Dienste werden in 14 EU-Staaten – Deutschland (eingeschränkt), Großbritannien, Italien, Dänemark, Estland, Spanien, Finnland, Lettland, Litauen, Malta, Frankreich, Ungarn, Niederlande und Schweden – sowie in zahlreichen Ländern außerhalb der EU angeboten, darunter Island, Albanien, Norwegen, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien und die Schweiz. Von den landesweiten Sendern werden in etwa genauso viele über frei empfangbare wie über Pay-TV-Plattformen angeboten. Die lokalen DVB-T-Sender werden überwiegend über frei empfangbare Plattformen ausgestrahlt.

Die öffentlich-rechtlichen Sender spielen nach wie vor eine wichtige Rolle auf den frei empfangbaren Plattformen (über ein Drittel der frei empfangbaren Sender sind öffentlich-rechtliche), aber naturgemäß weniger auf den Pay-TV-Plattformen (unter zehn Prozent).

Was die Genrevielfalt betrifft, so gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen frei empfangbaren und Pay-DVB-T-Plattformen. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, da auf den frei empfangbaren Plattformen mehr landesweite Vollprogrammanbieter vertreten sind, während die Pay-TV-Plattformen sehr viel stärker von Spartenkanälen (Film, Sport, Doku usw.) geprägt sind. Kultur- und Bildungskanäle wie auch Homeshopping-Sender sind stärker auf frei empfangbaren Plattformen vertreten.

HD-Kanäle werden in 13 EU-Staaten über DVB-T-Plattformen angeboten (gegenüber acht im Oktober 2010): Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Spanien, Schweden, Tschechische Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich und auch Norwegen. In den meisten dieser Länder sind HD-Kanäle sowohl auf frei empfangbaren als auch auf Pay-DVB-T-Plattformen verfügbar (mit Ausnahme von Lettland und Litauen, wo HD-Programme ausschließlich über Pay-DVB-T ausgestrahlt werden). Auf den frei empfangbaren Plattformen handelt es sich um Simulcast- oder HD-Versionen der landesweiten öffentlich-rechtlichen und privaten Vollprogrammanbieter. Auf den Pay-TV-Plattformen bieten vor allem Nischensender, Filmkanäle und paneuropäische Dokumentationskanäle HD-Programme an. Derzeit werden in mehreren EU-Ländern Tests für 3D-Angebote über DVB-T durchgeführt (Italien, Niederlande, Spanien, Schweden, Vereinigtes Königreich usw.). Video-on-Demand in 3D ist bereits in Italien verfügbar.