In einem Proof-of-Concept Projekt, D-Light, wird derzeit die Basistechnologie für die Datenübertragung über sichtbares Licht (Li-Fi) entwickelt. Ein künftiges Spin-Out Unternehmen soll Anfang 2012 erste Produkte auf den Markt bringen. "Die Technologie hat enormes Potential", schildert Harald Haas vom Engineering Institute der Universität Edinburgh im Gespräch mit der Nachrichtenagentur pressetest. Li-Fi lässt sich problemlos in Krankenhäusern oder Industrieanlagen einsetzen und bietet Einsatzmöglichkeiten von der Indoor Navigation bis zum Straßenverkehr.

Mit rund 10 MBit/s transferierte Haas auf der letztwöchigen TEDGlobal-Konferenz in Edinburgh ein Video mit einer herkömmlichen, um einen Mikrochip erweiterten LED-Leuchte zu einem Empfänger. Bis zum Ende des Jahres will man eine Transferrate von 100 MBit/s erreichen, unter Realbedingungen sind mittelfristig sogar 200 bis 300 MBit/s denkbar. Über das geplante neue Unternehmen sollen schon Anfang 2012 die ersten Tranceiver-Module auf den Markt gebracht werden. Derzeit läuft die Preproduktions-Phase für die ersten Prototypen.

Li-Fi bietet große Vorteile zu Wi-Fi und löst auch dessen Kapazitätsprobleme. Die Radiofrequenzen sind vielerorts schon stark ausgelastet, so Haas. Zu Stoßzeiten führt dies etwa in New York zu starker Netzauslastung, was wiederum langsame und instabile Datenübertragung für alle Teilnehmer bedeutet. Insbesondere die zunehmende Verbreitung von internetfähigen Handheld-Geräten und die Popularität von Apps trägt seit einigen Jahren dazu bei.

"Das sichtbare Licht bietet ein 10.000-fach größeres Frequenzspektrum", erläutert Haas. Dazu verbraucht Li-Fi weniger Strom als Radiotechnik. So liegt eine Zell-Funkbasisstation bei einer Energieausbeute von weniger als fünf Prozent, da ein großer Teil der Stromzufuhr für die Kühlung aufgewendet werden muss. Die Li-Fi-Technologie kann wesentlich höhere Energie-Effizienz erreichen, insbesondere wenn das erzeugte Licht gleichzeitig zur Beleuchtung eingesetzt wird. Haas schätzt den Kostenfaktor für die Datenübertragung mit Licht als "um den Faktor Zehn geringer" im Vergleich mit Wi-Fi ein. So wird weder eine Antenne, noch ein teures Funkteil benötigt.

Während die Datenübertragung per Funksignal etwa in Krankenhäusern, Flugzeugen oder vielen Industrieanlagen nicht einsetzbar ist, wäre der Betrieb eines Li-Fi-Netzes völlig risikolos. Haas denkt an zahlreiche weitere Einsatzmöglichkeiten. So könnten dank dieser Technologie Autos miteinander kommunizieren, was mit entsprechender Onboard-Technik enorme Sicherheitsvorteile bringen könnte. Weist man einer LED-Lampe zudem eine Mac-ID zu, so ließe sich auch ein Indoor-Navigations-System leicht realisieren.

Haas wünscht sich einen schnellen Einsatz von Li-Fi in öffentlichen Gebäuden, etwa in Schulen. Hier bietet sich die Technologie an, weil normales Licht gesundheitlich unbedenklich ist, während die Auswirkungen von hochfrequenten Radiowellen auf den menschlichen Körper wissenschaftlich umstritten sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnete radiofrequente Elektromagnetfelder in einem Statement vom 31. Mai als "möglicherweise krebserregend für den Menschen"