Die deutschen Konsumentenschützer haben erneut verbraucherfeindliche Technologien wie "HD+" und "CI+" am Dienstag auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin kritisiert - und mehr Transparenz gefordert.

Anlass dafür ist ein aktuell ausgestrahlter Werbespot der "HD+"-Plattform von SES Astra, der den Eindruck erweckt, dass sich nur vier HD-Programme unverschlüsselt empfangen lassen. Dem ist nicht so: Neben Das Erste HD, ZDF-HD und Arte-HD kommen unter anderem auch die privaten Kanäle Luxe-TV, Servus-TV und Anixe-HD sowie die englischsprachigen Programme HD1, BBC, ITV und Channel4 uncodiert über Satellit. Erst kürzlich waren auch drei Shopping-Sender in HD auf Sendung gegangen - hier fällt der hochauflösende Anteil allerdings noch sehr gering aus.

Im nächsten Jahr nach der Analog-Abschaltung folgen weitere öffentlich-rechtliche Kanäle wie ZDFneo, ZDFinfo und EinsFestival, die ohne Einschränkungen empfangen und aufgenommen werden können.

Die Verbraucherzentrale forderte deshalb mehr Durchblick für den Verbraucher und will nun deutliche Hinweise auf die mit "HD+" und "CI+" verbundenen Einschränkungen in der Werbung und vor allem auf den Verpackungen der Geräte durchsetzen.

Tatsächlich betreiben nicht nur die Plattformbetreiber sondern auch die Elektronik-Hersteller eine Art Desinformation: Liest man aktuelle Produktbeschreibungen von Digital-Receivern oder Flat-TVs werden Hinweise auf künstlich abgeschaltete USB-Buchsen oder scharfe Restriktionen bei Aufnahmen von SD/HD-Sendern in der Regel gar nicht aufgeführt - oder verschämt im kleingedruckten Sternchen-Text versteckt.

Das Argument der Anbieter: Grundsätzlich seien die Features verfügbar, die Sender hätten die Einschränkungen alleine zu verantworten, die Gemengenlage würde den Verbraucher eher "verunsichern". Wohl wahr und das wäre dem Verkauf der Geräte abträglich. Dass sich die Kundschaft nach der Investition in ein neues Gerät veralbert vorkommen mag, wenn es nicht seinen vorgesehen Dienst verrichtet, steht bei den Anbietern offenbar auf einem anderen Blatt.

Vielen Konsumenten sind nach Angaben der Verbraucherzentrale in Rheinland-Pfalz die gravierenden Nachteile von "HD+" bei der Aufzeichnung von Sendungen nicht bewusst. Noch stärker sind die Einschränkungen, wenn ein "CI+"-Modul zum Einsatz kommt. Das wird beispielsweise in Fernsehgeräte mit integriertem HD-Satellitentuner und Aufnahmefunktion via USB-Anschluss oder interner Festplatte eingesteckt.

Betroffen sind grundsätzlich auch alle Kabel-TV-Zuschauer, die mit "CI+" fernsehen. Denn im Kabel sind alle Programme mit Ausnahme von ARD und ZDF grundverschlüsselt - eine Ausnahme bildet hier nur Kabel-BW in Baden-Württemberg. Noch sind viele Einschränkungen gar nicht aktiv, das kann sich aber täglich ändern.