Nachdem der Krach zwischen der Wettbewerbsbehörde und dem Österreichischen Rundfunk (ORF) um ORF3 ausgeräumt ist, startet der neue öffentlich-rechtliche Informations- und Kulturkanal am 26. Oktober. Das gilt auch für den Sportsender ORF Sport Plus, teilte der ORF am Donnerstag mit.

Von einem "ORF-Feiertag am Feiertag" sprach deshalb Generaldirektor Alexander Wrabetz und fügte hinzu: "Der Start von zwei neuen 24-Stunden-Spartenkanälen ist ein Meilenstein in der Unternehmensentwicklung und eines der wichtigsten Programmprojekte."

ORF3 und ORF Sport Plus stünden für öffentlich-rechtlichen Mehrwert, den "nur der ORF als Dienstleister für Österreich bieten" könne. Unter diesem Gesichtspunkt sei auch die Einigung zwischen Bundeswettbewerbsbehörde und dem Österreichischen Rundfunk zu verstehen, die "den Weg für zwei von vielen an Kultur, Information und Sport interessierten Menschen in diesem Land seit langem erwarteten Sender endgültig frei gemacht hat", sagte Wrabetz erleichtert.

Dem grünen Licht waren allerdings zähe Verhandlungen vorausgegangen, der ORF musste so manche Kröte schlucken - zur Freude der kommerziellen Konkurrenz. "Wir sind zwar nach wie vor der Meinung, dass der Sender nicht ORF3 heißen sollte, um nicht den Charakter eines Vollprogramms zu vermitteln. Insgesamt sind wir jedoch mit den Auflagen zufrieden, die die Wettbewerbsbehörde erwirkt hat", sagte schon zuvor der Vorsitzende des Verbandes Österreichischer Privatsender (VÖP), Klaus Schweighofer, zum neuen Kulturkanal.

So darf der ORF nicht versuchen, die gewohnte Programmierungsreihenfolge der Fernbedienungen für den neuen Sender über TV-Spots oder Print-Anzeigen zu beeinflussen, Cross-Promotion über ORF1 und ORF2 ist untersagt, zudem soll es Einschränkungen bei der Vermarktung von Werbung sowie beim Einsatz von Spielfilmen und Serien geben.

Auch Krach um den Sportsender
Um den Sportsender hatte es ebenfalls Auseinandersetzungen gegeben, weil der ORF Wiederholungen von Fußballspielen und Formel1-Rennen geplant hatte. Eine Kampfansage an die Privaten, die entsprechend reagierten.

In der Mitteilung am Donnerstag war davon zunächst keine Rede: ORF Sport Plus werde unterschiedlichste Sportarten übertragen,darunter etwa Tennis, Handball, Volleyball, Tischtennis, Schwimmen,Radsport, Nachwuchsfußball und Behindertensport, hieß es nur. Der Fokus liege auf "Sportevents in Österreich". Das Programmschema folgt einem Rotationsprinzip, wobei die Hauptabendstrecke (20.15 bis 23.15 Uhr) eines Wochentages mehrfach an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Uhrzeiten blockweise wiederholt wird.

Das Programm von ORF3 basiert auf vier Programmsäulen: Kultur/Religion/Volkskultur und Regionalität, österreichische Zeitgeschichte und Zeitgeschehen, Information und europäische Integration sowie Kunst und Kultur. Jeder Wochentag steht unter einem bestimmten Label.

Die beiden neuen Programme werden über Kabel und Astra-Satellit ausgestrahlt, allerdings nur verschlüsselt. Für den Empfang ist eine ORF-Smartcard notwendig, die mitunter zusammen mit einem entsprechenden Digital-Receiver verkauft wird. Über Umwege lässt sich auch in Deutschland der Österreichische Rundfunk damit per Satellit empfangen.