Finanz- und Stellenplan 2012 genehmigt, Generaldirektor Wrabetz für Geschäftsjahr 2010 Entlastung erteilt

Der ORF-Stiftungsrat hat in seiner Plenarsitzung am Donnerstag, dem 15. Dezember 2011, unter dem Vorsitz von Brigitte Kulovits-Rupp einer Teilvalorisierung des ORF-Programmentgelts mit 1. Juni 2012 zugestimmt. Den Antrag hatte ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz in der Finanzvorschau 2012 - 2016 gestellt. Mit der Anpassung steigt der den ORF-Programmen zugutekommende Anteil am Programmentgelt um 1,- Euro pro Monat und Haushalt. Wobei der ORF nur 67 Prozent der unter dem Titel Rundfunkgebühren eingehobenen Mittel erhält - ein Drittel geht an Bund und Länder. Pro Tag erhält der ORF nach der Valorisierung für sein umfassendes Programmangebot aus vier Fernsehsendern, zwölf Radiosendern, neun Landesstudios, ORF.at, TVthek, Teletext und vielem mehr 51 Cent, das sind nur drei Cent mehr als bisher. Der ORF hat seine Programmangebote seit der letzten Valorisierung 2008 massiv ausgeweitet und wird diesen Weg in den kommenden Jahren konsequent fortsetzen. Nach der Prüfung durch die Medienbehörde KommAustria soll die Valorisierung mit 1. Juni 2012 in Kraft treten.

Weiters hat der ORF-Stiftungsrat den Prüfbericht 2010 mit der Gebarungsprüfung des Geschäftsjahres 2010 genehmigt und Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz die Entlastung für das Geschäftsjahr 2010 erteilt. Darüber hinaus wurde der Finanz- und Stellenplan 2012 genehmigt.

ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz: "Basis für nachhaltige Weiterentwicklung des ORF-Leistungsspektrums mit Rekordvolumen an österreichischen Produktionen geschaffen"

Seit 2007 hat der ORF ein umfangreiches Spar- und Restrukturierungsprogramm umgesetzt. Die Kostenbasis wurde um rd. 150 Millionen Euro gesenkt, der Personalstand um mehr als 500 Dienstposten reduziert. Sowohl der ORF als auch der ORF-Konzern bilanzierten 2010 positiv und werden auch 2011 und 2012 mit einem Plus abschließen. "Selbstverständlich wird und muss der ORF auch weiterhin seinen strikten Sparkurs fortsetzen und eine Senkung der Kostenbasis im Personal- und Sachkostenbereich erreichen", so ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz.

"Trotz rigorosem Sparprogramm hat der ORF seit der letzten Programmentgeltanpassung sein Leistungsspektrum ausgebaut - unter anderem mit ORF eins und ORF 2 in HD, dem Start der TVthek, dem Launch der zwei neuen Spartenkanäle ORF III Kultur und Information und ORF SPORT +, der Steigerung der Investitionen in Eigenproduktionen und Filmwirtschaft sowie dem Ausbau des Korrespondentennetzes und der Barrierefreiheit. Angesichts der zunehmend verschärften Rahmenbedingungen im Wettbewerb - Zunahme der Konkurrenz ohne Wertschöpfung für Österreich, Marktfragmentierung durch Digitalisierung, explosionsartige Steigerungen bei Sport- und Filmlizenzen und der großen ORF-Programmvorhaben 2012 wie der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine sowie der Olympischen Spiele in London - ist zur Aufrechterhaltung des ORF-Leistungsspektrums in seiner Vielfalt auch eine teilweise Abgeltung der Inflation nötig. Ich bedanke mich beim ORF-Stiftungsrat für die konstruktive Diskussion. Die Beschlüsse schaffen die Basis für eine nachhaltige Weiterentwicklung der umfassenden Programmleistungen des ORF mit einem Rekordvolumen an österreichischen Produktionen im kommenden Jahr", so ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz.

Mag. Richard Grasl, Kaufmännischer Direktor des ORF: "Gute Basis, um schwierige Herausforderungen zu meistern"

"Der Beschluss des Stiftungsrats über den Finanzrahmen bis 2016 ist für uns eine solide Basis, auf der wir in der neuen Geschäftsführungsperiode aufbauen können. Ich glaube, dass wir damit die großen Herausforderungen bewältigen können. Zwei Drittel des Finanzbedarfs werden durch Effizienzsteigerungen zu schließen sein, was uns in den kommenden fünf Jahren vor besondere Herausforderungen stellt", sagt Mag. Richard Grasl, Kaufmännischer Direktor des ORF.

Valorisierung ist niedrigste seit 30 Jahren

Erstmals deckt die Teilvalorisierung einen Zeitraum von neun Jahren ab (2008 bis 2016). Die Teilvalorisierung ist die niedrigste seit 30 Jahren. Der den ORF-Programmen netto zugutekommende Anteil der Rundfunkgebühren steigt mit der geplanten Anpassung um 1,01 Euro von 14,44 Euro auf 15,45 Euro pro Monat und Haushalt. Dem ORF verbleiben nach Abzug von Landesabgabe, Kunstförderung, Fernseh- und Rundfunkgebühr, Umsatzsteuer, Einhebungs- und Verfahrensverwaltungsvergütung nur 67 Prozent der unter dem Titel Rundfunkgebühren eingehobenen Mittel. Für den Empfang aller ORF-Programme mit vier TV-Sendern, zwölf Radiosendern, ORF.at, TVthek und Teletext bezahlt man dann pro Tag 51 Cent, das sind drei Cent mehr als bisher. Das netto an den ORF fließende ORF-Programmentgelt ist nach Erhöhung noch immer das niedrigste im deutschen Sprachraum und liegt unter dem europäischen Durchschnitt vergleichbarer Länder.

Noch mehr österreichisches Programm 2012: 10.500 Stunden eigenproduzierte Erstspielungen

Für 2012 plant der ORF eine Vielzahl von Großevents und Programminnovationen: Die ORF-Radios liefern 105.120 Stunden Programm, vom ORF-Fernsehen kommen 37.759 Stunden. Davon sind 10.500 Stunden eigenproduzierte Erstspielungen - unter anderem mit sieben TV-Serien mit 63 Folgen, 50 ORF-Filmen, 74 Koproduktionen, 50 Großdokumentationen, 172 Dokumentationen aus den Landesstudios und 3.640 täglichen regionalen Informationssendungen.

Die neuen ORF-Spartenkanäle ORF III Kultur und Information und ORF Sport + sollen weiterentwickelt werden. So ist ORF III etwa bei der Diagonale dabei und bringt Schwerpunkte zum "Zweiten Weltkrieg aus privater Sicht" und zum Mittelalter. ORF SPORT + bringt Sportdokumentationen und sogenannte "Randsportarten" von den Olympischen Spielen in London.

Der ORF-Sport widmet sich vor allem Sport-Großproduktionen wie den Olympischen Sommerspielen in London, der Fußball-EM in Polen und der Ukraine und zahlreichen Skiwettbewerben.

Die Investitionen in erfolgreiche österreichische Filme und Serien sollen auf dem hohen Niveau der vergangenen Jahre fortgesetzt werden. Erfolgsserien wie "Vier Frauen und ein Todesfall", "Schnell ermittelt", "Soko Donau", "Soko Kitzbühel" und "Oben ohne" werden fortgesetzt. Neues kommt mit "Braunschlag" mit Robert Palfrader und Nicholas Ofczarek sowie "Paul Kemp" mit Harald Krassnitzer. Insgesamt gibt es 63 Folgen von sieben TV-Serien 2012, weitere 45 sind für 2013 geplant.

50 neue Filmproduktionen kommen 2012 aus Österreich: Mit "Clarissas Geheimnis" und "Die Verführerin - Adele Spitzeder" mit Birgit Minichmayr stehen zwei Xaver-Schwarzenberger-Produktionen auf dem Programm. Alexandra Neldel ist in der "Wanderhure"-Fortsetzung "Die Kastellanin", Peter Simonischek "Der Meineidbauer". Darüber hinaus gehen "Die Wüstenärztin", "So wie Du bist" von Wolfgang Murnberger, "Spuren des Bösen" mit Nina Proll und Heino Ferch sowie "Vatertag" mit Alexander Pschill auf Sendung.

Als große Fernsehshow-Events sind "Die große Chance", "Dancing Stars", der "Eurovision Song Contest", "Österreich wählt", der "Life Ball" und "Kaiserfestspiele" geplant. Das Kinderprogramm "Okidoki" setzt seine erfolgreichen Eigenproduktionen fort und bringt ab Herbst das neue Vorschulformat "ABC Bär".

172 Dokumentationen kommen 2012 aus den ORF-Landesstudios. 50 neue Großproduktionen sind geplant: "Universum" gibt Einblicke in "Das geheime Leben der Termiten" und "Die Donau - Lebensader Europas". "Menschen & Mächte" beschäftigt sich mit den 1950er, 1960er und 1970er Jahren, "kreuz und quer" mit 50 Jahren Zweites Vatikanisches Konzil. Kulturevents und -dokus zum Schnitzler-, Klimt- und Nestroy-Jahr bilden ebenso Schwerpunkte wie jene der Information zu den Wahlen in den USA, Frankreich und Russland, zum Thema Europa und Energiewende.

Auch die ORF-Radios punkten mit einer Vielzahl von Programminnovationen wie Gesprächssendungen um Mitternacht in Österreich 1 oder Fortführung von Erfolgen wie dem Song Contest auf Ö3 und liefern 2012 105.120 Stunden Programm.

Schließlich wird die Barrierefreiheit der ORF-Programme weiter ausgebaut.

Finanzplan 2012: Weitere Senkung der Personal- und Sachkosten

Der ORF plant im Geschäftsjahr 2012 einen Gesamtumsatz in Höhe von 924,6 Mio. Euro. Davon entfallen auf Programmentgelte 595,9 Mio. Euro, die Werbeerlöse werden im Finanzplan 2012 mit 218,1 Mio. Euro veranschlagt, die sonstigen Umsatzerlöse mit 110,6 Mio. Euro. Für Material, die bezogenen Leistungen und die sonstigen betrieblichen Aufwendungen plant der ORF 601,3 Mio. Euro. Der Personalaufwand wird 2012 mit 343,9 Mio. Euro angesetzt, 2010 hatte der Ist-Personalaufwand noch 346 Mio. Euro betragen. Der Mitarbeiterstand des ständig im ORF beschäftigten Personals wird sich von 3.229 (Ist 2010) auf 3.188 im Jahr 2012 reduzieren. Für das Jahr 2012 plant der ORF ein Konzern-EGT in der Höhe von 3,5 Mio. Euro.