Der ORF bilanzierte 2011 einmal mehr im Plus. Der Konzern lag mit 11,4 Millionen Euro Gewinn (EGT) im positiven Bereich, die ORF-Mutter war in den schwarzen Zahlen und bilanzierte mit 6,4 Millionen Euro im Plus. Das geht aus einem Schreiben von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz und dem kaufmännischen Direktor Richard Grasl hervor, das am Montag an die Stiftungsräte versendet wurde. Gewarnt wird darin jedoch vor schwierigen Jahren mit „einschneidenden Maßnahmen“.

„Der ORF ist sowohl in der Muttergesellschaft als auch im gesamten Konzern in den schwarzen Zahlen“, schreiben Wrabetz und Grasl. Mit dem vorläufigen Gewinn von 6,4 Millionen Euro in der ORF-Mutter und dem Konzern-EGT von 11,4 Millionen Euro liegt der ORF wieder besser als prognostiziert. „Die Finanzpläne für 2011 wurden somit deutlich übertroffen“, so Wrabetz und Grasl, die in dem Brief auch anführen, wie hoch das Konzern-EGT nach Abzug der ORS-Fremdanteile beträgt (3,3 Millionen Euro). Die Sendetechniktochter betreibt der ORF gemeinsam mit der Raiffeisen-Holding Medicur. Die positive Bilanz sei jedenfalls gelungen, ohne Erträge aus dem Verkauf von Immobilienvermögen zu lukrieren.

Bereits inkludiert im vorläufigen Jahresergebnis sind die notwendigen Sanierungsmaßnahmen, im Zuge derer ein großer Teil des ORF-Zentrums noch heuer instand gesetzt werden muss. Dafür wurden 14 Millionen Euro in der Bilanz rückgestellt.

Positiv beigetragen hat offenbar der Werbemarkt. So hat der ORF im Vorjahr erstmals seit 2006 wieder mehr in der Werbung verdient als im Jahr zuvor. Die TV-Werbung hat 2011 um 1,3 Prozent zugelegt. Auch die Gebühreneinnahmen sind trotz der im Jahr 2011 noch geltenden „und für den ORF ungünstigen gesetzlichen Bestimmungen“ leicht gewachsen, wie Wrabetz und Grasl schreiben. Beim Personal wurden im Vergleich zu 2009 zehn Millionen Euro eingespart. Insgesamt sind seit 2009 rund 40 Millionen Euro personalseitig reduziert worden, wie aus dem Schreiben hervorgeht.

Im Programm gab es 2011 nach Angaben der ORF-Führung einen „deutlichen Investitionsschub“. „Ein großer Teil der Erhöhung im Sachkostenbudget waren - aufgrund des guten Jahresverlaufs - bewusst gesetzte Investitionen, die dem ORF im Konkurrenzkampf mit den immer mehr werdenden privaten TV-Stationen genutzt haben.“

Der Ausblick auf das potenzielle Krisenjahr 2012 und darüber hinaus ist dennoch alles andere als rosig: „Wir glauben, damit den ORF gut für die Herausforderungen der schwierigen Jahre, die vor uns stehen, gerüstet zu haben. Gleichzeitig wollen wir aber darauf hinweisen, dass wir als ORF-Geschäftsführung vor einschneidenden Maßnahmen stehen, um die kommenden Jahre positiv bewältigen zu können“, so Wrabetz und Grasl: „Die schwächer werdende Werbekonjunktur, die ohnehin angekündigten Sparmaßnahmen im Gebührenantrag 2012-2016 und neue Herausforderungen im Konkurrenzumfeld (beispielsweise non-lineare TV-Angebote wie Apple- oder ITV) müssen zu einer weiteren Reduktion und Umschichtung der Kostenbasis sowie zu rasch wirksamen Maßnahmen zur Stärkung der Konkurrenzfähigkeit des ORF führen.“