Im ORF ist wieder Sparen angesagt. Zusätzlich zu den bereits geplanten Personaleinsparungen von 15 Millionen Euro muss der ORF aufgrund schlechter Prognosen bei den Werbeeinnahmen weiter auf die Kostenbremse steigen. Im Januar und Februar lag der ORF in puncto Werbung sieben Prozent unter Plan, hält dieser Trend an, beläuft sich das Minus gegenüber dem Finanzplan auf 16,5 Mio. Euro, so der Kaufmännische Direktor Richard Grasl nach der Sitzung des ORF-Stiftungsrates am Donnerstag. "Der ORF steht auf der Kostenseite vor sehr großen Herausforderungen", resümierte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der trotzdem das Programmbudget für ORF III von 2,5 auf 3 Mio. Euro erhöhen will.

Kurzfristig will der ORF dem voraussichtlichen Defizit mit Nichtnachbesetzungen, Umschichtungen im TV-Programm sowie der Sperre von Reserven in einzelnen Budgets entgegenwirken. Neue Regelungen will die ORF-Geschäftsführung außerdem bei den Kollektivverträgen - entsprechende Gespräche mit dem Betriebsrat sollen in den kommenden Wochen aufgenommen werden, so Wrabetz und Grasl.

Ein weitere Tagesordnungspunkt waren Corporate Gouvernance Regeln - nicht nur für den Stiftungsrat sondern auch für das Unternehmen selbt. Für Unmut hätten zuletzt laut Wrabetz diverse rufschädigende öffentliche Wortmeldungen von ORF-Mitarbeitern gesorgt. "Wir wurden vom Stiftungsrat aufgefordert, härter gegen Verleumdungen aus dem eigenen Haus vorzugehen", so der ORF-Chef. Das hieße nicht, dass konstruktive Kritik nicht erlaubt sei, erklärte Stiftungsratsvorsitzende Brigitte Kulovits-Rupp, allerdings müsse die permanente Diffamierung des Unternehmens und seiner Gremien gestoppt werden. Hinsichtlich der Verhaltensregeln für die Stiftungsräte plädiert das Gremium laut Kulovits für eine zweijährige Cool-off-Phase zwischen der Stiftungsratsmitgliedschaft und einem Wechsel in ORF-Führungspositionen.

Hinsichtlich der RTR-Studie, die am Dienstag veröffentlicht worden war und ORF eins Unterhaltungslastigkeit attestiert hatte, betonte Wrabetz, er habe Rückendeckung durch den Stiftungsrat bekommen. Es sei inakzeptabel von der RTR, die vom ORF mit 2,6 Millionen Euro unterstützt werde, ohne Auftrag ein solches Scheingutachten zu erstellen. Grundsätzlich sei der ORF vom Stiftungsrat angehalten worden, künftig eigene Positionen in den eigenen Medien entsprechend darzustellen.

Ein umfangreicher Punkt auf der Tagesordnung der Stiftungsräte war das Programm. Hier hatte ORF-TV-Direktorin Kathrin Zechner ihren ersten großen Auftritt. Details zu Programmplänen gibt es aber nach wie vor nicht. Bis Juni soll Zechner, so Kulovits, ein neues Programmschema erarbeiten, das voraussichtlich in der Sitzung Ende Juni im Gremium beschlossen wird. Ab Herbst sollen die Programmneuerungen dann sichtbar sein.

Das Thema Standort soll eventuell in der kommenden Stiftungsratssitzung am 10. Mai, spätestens aber im Juni zum Beschluss kommen. Bis Ende März soll die Geschäftsführung den Gremiumsmitgliedern ein Technik- und Finanzierungskonzept sowie einen begründeten Standortvorschlag vorlegen, wie die Stiftungsräte am Donnerstag beschlossen haben.

Was jene freien Mitarbeiter angeht, die derzeit öffentlich gegen ihrer Meinung nach prekäre Arbeitsverhältnisse vorgehen, sieht Wrabetz derzeit einen "nur geringen Bewegungsspielraum", die Gespräche sollen aber fortgesetzt werden. Allerdings appellierte der ORF-Generaldirektor auch hier an die Mitarbeiter, die Diskussion intern zu führen und die öffentliche Polemik einzustellen. Betroffen sind laut ORF 60 Mitarbeiter im Hörfunk, die zwischen 10.000 und 25.000 Euro im Jahr verdienen.