Der ORF-Redakteursausschuss, das sind die im Dezember neu gewählten RedakteurssprecherInnen aus allen Bereichen des Unternehmens, beschloss einstimmig folgende Erklärung:

"Die ORF-Journalistinnen und -Journalisten haben vor einigen Wochen rund um die Verhinderung ethisch und rechtlich unhaltbarer Personalvorhaben der Geschäftsführung eindrucksvoll bewiesen, dass sie sich die in der Verfassung garantierte Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nicht nehmen lassen. Weder durch parteipolitische Wünsche noch durch die Bereitschaft der Geschäftsführung diese zu erfüllen. Dabei ist es mit breiter öffentlicher Unterstützung gelungen, die Bedeutung eines wirklich unabhängigen ORF zu vermitteln. Das war zweifellos eine entscheidende Stärkung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Aber noch lange keine, die stark genug ist. Das wäre erst der Fall, wenn der Gesetzgeber die entscheidenden Veränderungen der Rahmenbedingungen beschließt: vor allem ein völlig neues Aufsichtsgremium, ein verbessertes Redakteursstatut, die ökonomische Absicherung und der Entwicklung der Medienlandschaft adäquate Möglichkeiten des ORF am Onlinesektor. Dazu gibt es mit politisch Verantwortlichen zwar durchaus konstruktive Gespräche, aber noch längst keine Festlegungen.

Auch innerhalb des ORF ist es nach wie vor nicht gesichert, dass nicht weiterhin Postenvergabe als Erfüllung von rund um die Geschäftsführungswahlen geschnürter Personalpakete passiert. Der ORF-Redakteursausschuss hat beschlossen, dagegen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vorzugehen. Wo das möglich ist, auch mit juristischen.

Völlig inakzeptabel ist für die ORF-Journalistinnen und -Journalisten auch das längst unerträgliche Ausmaß der Reduktion von Dienstposten in den Redaktionen und dass die Geschäftsführung statt Vorschlägen zur Sanierung der Situation - zu der auch die prekäre Lage der sogenannten "freien" MitarbeiterInnen gehört - in durchaus unternehmensschädigenden Art und Weise abstruse Zahlen zu weiterem Personalabbau lanciert.

Die ORF-Journalistinnen und -Journalisten brauchen für ihren Kampf um einen wirklich unabhängigen, starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk weiterhin die massive Unterstützung einer wachsamen Öffentlichkeit!"

Bei der Neuwahl des ORF-Redakteursrats wurden Fritz Wendl als Vorsitzender sowie Dieter Bornemann und Eva Ziegler wieder gewählt. Zu stellvertretenden Redakteursratsmitgliedern wurden Peter Daser (Radio-Innenpolitik), Martina Schmidt (Report) und Margit Schuschou (ORF-Tirol) bestellt.