Pünktlich vor der Sitzung des ORF-Stiftungsrats am Donnerstag haben sich am Mittwoch wieder einmal die Freien Mitarbeiter des ORF zu Wort gemeldet, um sich und ihrer Forderung nach fairer und gerechter Entlohnung Gehör zu verschaffen. Unterstützung bekommen sie von 476 angestellten ORF-Mitarbeitern, die eine Solidaritätserklärung unterzeichnet haben, in der Stiftungsrat und ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz aufgefordert werden, die Arbeitsbedingungen für Freie endlich zu verbessern.

"Wir wollen und können nicht mehr kommentarlos zusehen, wie unsere Freien Kolleginnen und Kollegen zum Großteil Vollzeit arbeiten, jedoch trotzdem aufgrund eines anachronistischen Honorarkatalogs am Existenzminimum leben müssen", heißt es in dem Schreiben. Die Mitarbeiter bitten den ORF-Generaldirektor und den Stiftungsrat daher, "diesen für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk unrühmlichen und unwürdigen Zuständen ein Ende zu bereiten".

Einen Einblick in die Zustände geben die betroffenen Freien Mitarbeiter in einem Begleitbrief, in dem sie ihre jeweilige Arbeitssituation beschreiben und die Frage beantworten, weshalb sie trotzdem noch für den ORF arbeiten. Eine 42-jährige Mutter zweier Kinder, die bei Ö1 arbeitet, meint: "Für mich bedeutet es täglich ein Gefühl der Demütigung, familiären Stress, gesundheitliche Schäden, wirtschaftliche Abhängigkeit - von Mann und Eltern sowie Erklärungsnotstand gegenüber meinen Kindern, ich zitiere: 'Mama, warum hast du so wenig Geld, obwohl du immer so viel arbeitest?'"

"In schlaflosen Nächten mach ich mir Sorgen, im Alter unter der Brücke zu enden. Vom prekären ORF-Einkommen werde ich nie eine Pension bekommen, von der man existieren kann. Sich Geld auf die Seite zu legen oder gar erst eine eigene Wohnung zu kaufen, ist bei diesem Einkommen völlig illusorisch. Wie sich richtiger Urlaub anfühlt, weiß ich gar nicht...", schreibt eine 33-jährige Ö1-Redakteurin. Eine 41-Jährige, die ebenfalls für Ö1 arbeitet, vergleicht die Tätigkeit für den ORF als Freie mit einer "schlechten (Liebes-)Beziehung": "Es schürt Frust und Wut, lässt Ideen und Energien erlahmen." Und eine 34-jährige FM4-Mitarbeiterin meint: "Nichts ist demütigender, als die besorgte Frage von Kollegen, ob es 'sich eh ausgeht'."

ORF-Generaldirektor Wrabetz muss dem Stiftungsrat am Donnerstag auf Antrag des Grünen Willfried Embacher einen Bericht über den Verlauf der Gespräche mit den Freien Mitarbeitern geben. Ende Februar soll es einen weiteren Verhandlungstermin geben, laut Freien seien aber "nach wie vor keine eindeutigen Signale, keine klare Strategie seitens der Geschäftsführung erkennbar, die unhaltbare Situation der Freien Mitarbeiter im Unternehmen zu ändern".