Den Daten aus dem Jahrbuch der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle entsprechend, war das Jahr 2012 für das terrestrische Digitalfernsehen in der EU ein wichtiger Wendepunkt, nachdem die Europäische Union 2005 empfohlen hatte, das terrestrische Analogfernsehen bis Ende 2012 abzuschalten. Da nun auch in Irland, Italien, Litauen, Portugal, der Slowakischen Republik und im Vereinigten Königreich im Jahr 2012 der Übergang zum terrestrischen Digitalfernsehen vollzogen wurde, haben sich insgesamt 22 EU-Mitgliedstaaten an diesen Termin gehalten.

Kroatien, die Schweiz, Norwegen und Island hatten ebenfalls umgestellt. Damit beläuft sich die Anzahl der Länder, die das terrestrische Analogfernsehen abgeschaltet haben, auf 26 der 39 Mitgliedsländer der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle.

Griechenland, Polen und Bulgarien wollen 2013 vollständig abschalten; in Ungarn (wie in der „ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien“ und in Bosnien und Herzegowina) ist dies für 2013 oder 2014 vorgesehen. Albanien, Rumänien, Russland, Montenegro und Türkei planen, den Schritt im Jahr 2015 abzuschließen. Damit ist sichergestellt, dass diese Länder den im GE-06-Übereinkommen der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) auf Juni 2015 festgelegten Termin einhalten.

Ende 2012 bestanden in 21 Ländern Plattformen für das Bezahlfernsehen mit einem Angebot von insgesamt 33 DVB-T-Bezahldiensten. In Belgien und Griechenland wurden 2012 neue Dienste angeboten. Im Jahr 2012 ging zum ersten Mal die Anzahl der Abonnenten des DVB-T-Bezahlfernsehens insgesamt um 13 % zurück (nach Daten von Screen Digest), wobei der Rückgang in Italien am stärksten war (nahezu 1 Mio. Abonnenten).

Gleichzeitig konnten einige in Spanien und Portugal geplante DVB-T-Bezahldienste nicht realisiert werden; in anderen Ländern (Italien und Frankreich) wurden Dienste eingestellt, und in mehreren kleinen Ländern erweist sich die Entwicklung eines finanziell erfolgreichen Modells für das DVB-T-Bezahlfernsehen als schwierig. In Frankreich wurde „TV Numeric“ zwar eingestellt, doch ist in Zusammenarbeit mit Leclerc und TF1 Distribution ein neues DVB-T-Angebot für das Jahr 2013 in Vorbereitung.

Andererseits gab es in bestimmten kleineren Staaten wie Estland, Malta, Litauen, der „ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien“ und Albanien bereits vor der Einführung des frei empfangbaren terrestrischen Digitalfernsehens schon seit längerer Zeit DVB-T-Bezahldienste. Die dominierende Stellung dieser DVB-T-Bezahlsender in einigen dieser Länder ist in Abb. 2 dargestellt.

Nach Daten der MAVISE-Datenbank (Stand Ende 2012) sind in den EU-Mitgliedstaaten auf DVB-T-Plattformen verfügbar: 456 frei empfangbare nationale bzw. internationale Sender; 529 Bezahlsender und mehr als 1 000 lokale und regionale Sender. Für die 39 Mitgliedsländer der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle lauten die entsprechenden Zahlen: 514 frei empfangbare nationale oder internationale Sender, 700 Bezahlsender und mehr als 1 000 lokale und regionale Kanäle. Im Jahr 2012 nahmen 86 neue terrestrische Sender den Sendebetrieb auf (2011 waren es 56 und 2010 50 Sender). Viele dieser Sender waren neue lokale DVB-T-Lizenzen in Dänemark. Im Verlauf des Jahres 2013 werden im Vereinigtem Königreich in Verbindung mit einem neuen Multiplex 21 neue lokale Fernsehkanäle in den DVB-T-Netzen hinzukommen. Die genaue Zahl der funktionierenden lokalen Fernsehsender in manchen Ländern (wie in Spanien und Italien) genau festzustellen ist schwierig.

In den italienischen Netzen gibt es mit Abstand die meisten nationalen Kanäle, und Portugal hat hier das kleinste Programmangebot. Die Übersicht zeigt auch die Bedeutung des DVB-T-Bezahlfernsehens in vielen Ländern hinsichtlich der Vielfalt der angebotenen Inhalte. Für das Vereinigte Königreich, Frankreich, Deutschland, Italien oder Spanien, wo viele Inhalte in großem Umfang frei verfügbar sind, ergibt sich ein anderes Bild.

Auf DVB-T-Plattformen steht vermehrt hochauflösendes Fernsehen (HDTV) zur Verfügung. Gab es Ende 2009 nur in zwei Ländern (in Frankreich und im Vereinigten Königreich) HDTV, so waren es Ende 2012 zweiundzwanzig Länder, in denen DVB-T-Plattformen mit HDTV-Sendern bestanden, die insgesamt über 90 nationale DVB-T-Sender und 25 Regionalfenster anboten. In Frankreich kamen Ende 2012 sechs neue frei empfangbare HD-Fernsehprogramme hinzu.

Insgesamt nahmen im Jahr 2012 369 neue Fernsehsender in der EU den Sendebetrieb auf (bezogen auf alle Plattformen – DVB-T, Kabel, Satellit usw.). Über 40 % davon strahlen in HD-Technik aus (142 HD-Simulcasts und 12 weitere HD-spezifische Sender). Daher hatte das Wachstum bei den HD-Programmen sehr wesentlich zum Wachstum des Gesamtmarkts beigetragen und lässt sich unterschiedlichen Genres zuordnen: dazu gehören Spielfilm (30), Unterhaltung (30) und Sport (28). Von sämtlichen in der MAVISE-Datenbank erfassten Sendern (EU und zehn weitere europäische Länder) starteten 2012 insgesamt 400 Sender mit ihren Programmen.

Im Vergleich zu 2011, als in der EU 143 Sender schließen mussten, stellten im Jahr 2012 lediglich 62 Sender den Betrieb ein. Dazu gehörten die Lokalsender des Netzwerks City T43 V in Irland, die unter den Folgen der Wirtschaftskrise zu leiden hatten. Insgesamt stellten 12 Sportsender – im Wesentlichen schwedische und französische - den Betrieb ein; in Schweden war dies auf die Reorganisation der CMore-Senderfamilie zurückzuführen. In Frankreich wurden 2012 die Orange-Sportsender eingestellt, fast zur selben Zeit wie der Programmstart von Al Jazeeras „BeIN Sport“-senders.

Der europäische Fernsehmarkt besteht insgesamt aus mehr als 11 000 europäischen Sendern, von denen 8 270 ihren Sitz in der EU haben Ende 2012 bestanden laut MAVISE in den 39 Mitgliedstaaten der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle über 11 000 Fernsehsender (8 270 in der EU27 im Vergleich zu 7 600 im Jahr 2011). Von den in Europa verfügbaren Sendern sind 51 % regionale oder lokale und 49 % sind nationale und internationale Sender.

Bei den in Europa bestehenden Sendern (auf allen Plattformen) sind die vorherrschenden Genres (lokale und regionale Sender ausgenommen) Sport, gefolgt von Unterhaltung, Sendern mit Vollprogramm und Spielfilm. Die meisten Sender gibt es beim Genre HD-Simulcast. In der HD-Welt insgesamt ist Sport das wichtigste Genre (20 %), gefolgt vom Spielfilm (16 %). Die großen Sender mit Vollprogramm (öffentlich-rechtlich und privat) machen 13 % der HD-Programmanbieter aus, gefolgt von Unterhaltungs- (11 %), Dokumentationsprogrammen (9 %) und Programmen mit dem Schwerpunkt Fernsehfilm (8 %).

Die MAVISE-Datenbank über Fernsehsender und Fernsehgesellschaften wurde 2008 von der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle eingerichtet. Sie wurde seitdem kontinuierlich ausgebaut und enthält inzwischen Daten über 35 Länder, darunter alle 27 EU-Länder, außerdem das Beitrittsland Kroatien, die Kandidatenländer Island, Türkei, Montenegro, die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien und die Republik Serbien sowie potenzielle Kandidatenländer wie Albanien und Bosnien-Herzegowina. Der Bestand der Datenbank, der allmählich wächst, umfasst zunehmend Angaben zu den 39 Mitgliedstaaten der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle und enthält derzeit Informationen zu mehr als 11 000 Sendern.