Der ORF will im kommenden Jahr 20 Millionen Euro bei Personal und Strukturen sparen, 20 weitere Millionen sollen durch den Verkauf von Immobilien und Wertpapieren aufgebracht werden. Die Programmausgaben müssten um 40 Millionen Euro gesenkt werden, allerdings lässt sich die ORF-Geschäftsführung hier noch eine Hintertür in Richtung Politik offen. Sollte sich die Regierung doch noch zu einer Fortsetzung der Gebührenrefundierung durchringen, könnte der Sender um Programmeinsparungen herumkommen, wie nach einer Sparklausur der ORF-Geschäftsführung zu hören war.

Insgesamt muss der ORF im nächsten Jahr 80 Millionen Euro sparen, wenn es beim Auslaufen der Gebührenrefundierung mit Jahresende bleibt. Berücksichtigt sind dabei auch höhere Ausgaben von knapp 25 Millionen Euro für die Rechte an den Olympischen Winterspielen und der Fußball-WM. In ihrer Klausur an der Rax hat die ORF-Geschäftsführung am Montag und Dienstag die nötigen Sparmaßnahmen definiert, die am 20. Juni dem Stiftungsrat vorgelegt werden sollen.

Die Auflösung „stiller Reserven im nicht betriebsnotwendigen Anlagevermögen“ in Höhe von 20 Millionen Euro betrifft Wertpapiere und Immobilien, nicht darunter sind die Rosenhügelstudios, die voraussichtlich bereits heuer verkauft werden sollen. 20 Millionen Euro will der ORF durch Strukturmaßnahmen einsparen - 15 Millionen davon sollen aus dem Personalbereich kommen. Über die Details der Personalkostenmaßnahmen dürfte der Betriebsrat in den kommenden Tagen informiert werden. Dem Vernehmen nach wird es einen Aufnahmestopp sowie ein neues Handshakeprogramm geben. Daneben war in der jüngsten Stiftungsratssitzung auch von einem günstigeren Kollektivvertrag sowie Kündigungen die Rede.

Organisatorische Straffungen wird es insbesondere in Verwaltung und Technik geben. Strukturelle Kostensenkungen will der ORF durch die Hebung von Synergien und Zusammenlegungen in den Bereichen Archiv, Kundendienste und Call-Center sowie bei Presse und Marketing erreichen. Auch Radio-Symphonieorchester und Radiokulturhaus sind von den Sparmaßnahmen betroffen. Kosteneinsparungen soll auch verstärktes trimediales Arbeiten in der Wetterredaktion sowie bei den textbasierten Medien - also Teletext und Online-Redaktion - bringen.

Ob die Programmmaßnahmen in Höhe von 40 Millionen Euro, die sowohl den Fernseh- als auch den Radiobereich sowie die Landesstudios betreffen, schlagend werden, hängt nach wie vor von einer allfälligen Fortsetzung der Gebührenrefundierung ab. Wie ORF-Kommunikationschef Martin Biedermann der APA bestätigte, sind die Einsparungen so disponiert, „dass ein Großteil der Kürzungen kurzfristig ab Herbst erfolgen kann, wenn definitiv Klarheit über eine Fortsetzung oder Einstellung der Gebührenrefundierung besteht“.

Deutliche Einsparungen im Programmbereich könnte es bei ORF Sport plus, bei Auftragsproduktionen im Film- und Unterhaltungsbereich sowie bei regionalen TV-Produktionen der Landesstudios geben. Verschont bleibt das Quotenzugpferd „Bundesland heute“. Zuletzt gab es Überlegungen, das Format am Wochenende wieder zu einer bundesweiten Sendung zusammenzufassen. Grundsätzlich soll es im gesamten Informationsbereich keine Kürzungen geben.

Eine neue Strategie will der ORF im Kinderprogramm einschlagen. Teil davon dürften die seit langem angedachte Kooperation mit dem deutschen öffentlich-rechtlichen Kindersender Kika sein sowie neue nonlineare Angebote auf digitalen Plattformen.

Wie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in einem Statement gegenüber der APA betonte, ist der ORF „ein betriebswirtschaftlich und strukturell gesundes Unternehmen, das in den vergangenen drei Jahren immer positiv bilanziert hat“. Auch ohne die Fortsetzung der Refundierung werde der ORF ein ausgeglichenes Budget 2014 vorlegen, allerdings sei das nur mit weitreichenden Einschnitten in allen Bereichen des Unternehmens möglich.

Das erarbeitete Sparpaket sei „ausgewogen und besteht zu einem beträchtlichen Teil aus strukturellen und Personalmaßnahmen“, so Wrabetz. Die „Refundierungslücke“ könne allerdings nicht allein durch solche Maßnahmen geschlossen werden, „daher wird es bei Wegfall der Refundierung auch zu deutlichen Einsparungen im Programm kommen müssen“, erklärte der Generaldirektor.