Die Vielfalt erhalten und nur an den Randzonen sparen - so lautet laut ORF-Geschäftsführung das Motto für die anstehenden Sparmaßnahmen. Wie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nach der Sitzung des Stiftungsrats am Donnerstag sagte, habe das Aufsichtsgremium der Mischung aus Sparvorhaben grundsätzlich zugestimmt und den vorgeschlagenen Weg befürwortet. Im November soll auf Basis der vorgestellten Sparmaßnahmen ein Budget für nächstes Jahr beschlossen werden.

Den Vorwurf, es werde überproportional zulasten des Programms gespart, wollte der Kaufmännische Direktor, Richard Grasl, nicht gelten lassen. Man habe bewusst keine Rasenmähermethode angewandt, so Grasl. Das Programmbudget sei gegenüber dem Vorjahresbudget nur um 0,8 Prozent gekürzt worden, während andere Bereiche mehr als zehn Prozent ihres Budgets lassen mussten. Allerdings hat das Programm im nächsten Jahr aufgrund der Fußball-Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele Mehrausgaben von mindestens 25 Millionen Euro.

Kein Bereich völlig eingespart

Bei den Sparplänen habe man Wert darauf gelegt, dass kein Bereich völlig eingespart werde. Für Wrabetz sei es demnach wichtig gewesen, dass auch das Radio-Symphonieorchester dem ORF weiter erhalten bleibt, selbst wenn es nicht zum Kernauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört. Und auch die „Substanz der Landesstudios bleibt aufrecht“, auch wenn gewisse Zulieferungen für das nationale Programm nicht mehr möglich seien. Ebenso verhalte es sich bei den Einsparungen im Radio, vor allem bei FM4, und bei ORF Sport Plus. „Der Kernauftrag ist die Vielfalt und die wird es in hohem Ausmaß weitergeben“, versprach Wrabetz.

Fernsehdirektorin Kathrin Zechner meinte, man werde „sehr sinnvoll“ und vor allem an den Randzonen sparen, sei nun aber „am Minimum der Leuchttürme“ des Programms angelangt. Zu bedenken sei, dass Eigenproduktionen mehr Quoten bringen als Kaufprogramme, und daher werde man diese in größtmöglichem Umfang erhalten.

Ein Herbstevent, wie „Die Große Chance“ bringt dem ORF rund drei Prozent mehr Tagesmarktanteil, als wenn stattdessen „nur“ ein Film zu sehen ist, soll Zechner dem Vernehmen nach im Stiftungsrat referiert haben. Wie aus der Sitzung zu hören war, würde denn auch das Herbstevent ins Budget aufgenommen werden, sollte die Gebührenrefundierung doch noch fortgesetzt werden. Auch die Einsparungen bei Kultur-Übertragungen und diversen regionalen TV-Produktionen würden weniger drastisch ausfallen. Ebenso könnte es weiter Eigenproduktionen am Mittwochabend geben, die derzeit im Budget nicht vorgesehen sind.

40 Millionen Euro müssen in TV, Radio und Landesstudios gespart werden

Derzeit ist ein ganzes Bündel an Sparmaßnahmen geplant, das laut Franz Medwenitsch, der am Donnerstag den Vorsitz über den Stiftungsrat innehatte, gleichmäßig auf alle Direktionen verteilt ist. Rund 40 Millionen Euro müssen in Fernsehen, Radio und Landesstudios gespart werden - 20 Millionen davon seien strategische Maßnahmen, die unabhängig von einer Refundierung in jedem Fall gespart werden. Es werde ein „rigoroses Sparprogramm geben, auch wenn die Refundierung nicht kommt“, konstatierte Wrabetz nach der Sitzung.

Die Kürzungen bei Personal und Strukturen sollen 20 Millionen Euro betragen. ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser zeigte sich nach der Sitzung zufrieden, dass der Stiftungsrat am Donnerstag nicht versucht habe, sich in die Verhandlungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung einzumischen. Die Situation selbst sei aber „unverändert ernst, unsere Warnungen, was die Gefährdung des sozialen Friedens im ORF angesichts neuerlicher Sparpakete anbelangt, sind nach wie vor aufrecht“.

Einstimmig angenommen wurde am Donnerstag der Jahresabschluss 2012. Das Vorjahr sei „ein deutlich besseres Jahr“ gewesen, als etwa 2011, resümierte Grasl. Der ORF-Konzern schloss denn auch mit 3,3 Millionen Euro Gewinn (EGT) ab und die ORF-Mutter verbuchte einen Überschuss von 0,5 Millionen Euro. Die Werbeerlöse seien stabil gewesen und der Cashflow positiv, so Grasl.