Bei Satellit, Kabel und IPTV sind sich die beiden Sendergruppen RTL und ProSiebenSat.1 einig: An diesen Verbreitungswegen führt kein Weg vorbei. Doch darüber hinaus gehen die beiden Konzerne nun getrennten Weges.



Mit dem Ende ihrer DVB-T-Ausstrahlung in München, die am nach dem heutigen Mittwoch (31. Juli) eingestellt wird, bereitet sich die Sendergruppe RTL auf eine neue Ära vor. Eine Ära ohne DVB-T, denn ab Anfang 2015 wollen die Kölner gänzlich auf die Verbreitung ihrer Programme über das terrestrische Antennenfernsehen verzichten. Doch nicht nur für RTL beginnt damit hinsichtlich der Verbreitung ein neues Kapitel, sondern auch für die Konkurrenz von ProSiebenSat.1. Denn fernab von Satellit, Kabel und IPTV - über die Relevanz dieser Empfangswege sind sich die beiden Gruppen einig - gehen die Konzerne nun getrennte Wege.




Während RTL der Terrestrik nun sukzessive den Rücken kehrt, halten die Unterföhringer an DVB-T fest - und das mit starkem Griff. Denn seitdem sich ProSiebenSat.1 im Frühjahr zu DVB-T bekannt hat, arbeitet die Sendergruppe eifrig daran, sich dort möglichst breit aufzustellen. Wenn RTL zum morgigen Donnerstag (1. August) seine Frequenzen am Standort München räumt, steht mit Sat.1 Gold bereits ein Nachfolger in den Startlöchern, der eine der freiwerdenden Positionen auf Kanal K 34 übernimmt.

Auch für ihren neuesten Free-TV-Sender ProSieben Maxx, der am 3. September seinen Betrieb aufnimmt, werden die Weichen schon gestellt. So haben die zuständigen Medienwächter dem DVB-T-Start des Senders bereits eine vorläufige Genehmigung erteilt. Und es ist anzunehmen, dass ProSiebenSat.1 auch in den kommenden Jahren weiter daran arbeiten wird, möglichst viele Lücken bei der DVB-T-Verbreitung zu schließen - sei es hinsichtlich einzelner Sendegebiete oder auch neuer Kanäle, die es zu etablieren gilt.

Während ProSiebenSat.1 also weiter auf das terrestrische Antennenfernsehen setzt, heißt die neue Devise der Kölner offenbar Web-TV. Gleich mit zwei Anbietern haben die Kölner seit ihrer Ankündigung, künftig auf DVB-T verzichten zu wollen, Verträge geschlossen. Dies ist zum einen der Schweizer Anbieter Zattoo, der seit Mitte Juni nach langwierigen Verhandlungen endlich die Free-TV-Sender der Mediengruppe RTL in seinem Portfolio hat. Entsprechend von RTLs Strategie natürlich im kostenpflichtigen HiQ-Paket. Auch mit dem schwedischen Anbieter Magine, der in wenigen Wochen an den Start gehen will, haben sich die Kölner mittlerweile geeinigt.

Damit übertragen künftig beide Privatsendergruppen ihre Programme über einen Empfangsweg, bei dem ihnen der jeweils andere nicht in die Quere kommt. Denn Web-TV scheint für ProSiebenSat.1 nicht von Interesse zu sein. Auf Nachfrage von DIGITAL FERNSEHEN hinsichtlich möglicher Ambitionen gab sich die Mediengruppe äußerst bedeckt und verweist stattdessen auf die eigenen Online-Plattformen MyVideo und Maxdome. Doch auf keiner von beiden wird das lineare Programm der einzelnen Sender als Live-Stream angeboten. Bei MyVideo handelt es sich um die konzerneigene Video-Plattform mit Video-Clips oder auch ganzen Folgen einzelner Serien. Maxdome geht als Video-on-Demand-Angebot ebenfalls in eine andere Richtung.

ProSiebenSat.1 verweist ist diesem Zusammenhang noch darauf, dass viele Programme auch parallel zur TV-Ausstrahlung auf den Websites der Sender und innerhalb der Applikationen angeboten werden. Einen Live-Stream des kompletten linearen Programms gibt es aber nicht.

Wenn auch nun zunächst erst einmal eine Übergangsphase beginnt, in der RTL noch in einigen Gebieten via DVB-T zu empfangen ist, gehen die beiden Privatsender-Gruppen doch fortan getrennter Wege. Ob diese jeweils von Erfolg gekrönt sein werden, wird sich zeigen müssen. ProSiebenSat.1 befindet sich zumindest in einer etwas vorteilhafteren Position, in Sachen Web-TV bei Bedarf ohne größere Schwierigkeiten nachziehen zu können. Eine theoretisch mögliche Rückkehr RTLs zum terrestrischen Fernsehen dürfte deutlich größere Hürden mit sich bringen.

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