Die Mediengruppe RTL ändert ihre Strategie in Bezug auf HbbTV. Wurden die entsprechenden Inhalte in der Vergangenheit auf vielen Endgeräten gesperrt, weil die Hersteller Auflagen von RTL nicht akzeptiert hatten, so stellt die Mediengruppe nun zumindest Teile ihrer Inhalte im offenen HbbTV-Standard zur Verfügung.

Lange Zeit mussten Nutzer zahlreicher HbbTV-fähiger Endgeräte auf die entsprechenden Inhalte der RTL-Sender verzichten. Während die entsprechenden Angebote der anderen großen Sendergruppen über den Red-Button verfügbar waren, herrschte hier bei RTL Ebbe.

Der Grund: Die Mediengruppe RTL hatte den Herstellern von entsprechenden Smart TVs und Receivern für das Verfügbar-machen seiner hybriden Dienste weitgehende Anforderungen gestellt, die jedoch bei weitem nicht von allen Herstellern akzeptiert wurden. Mit den Restriktionen wollte der Anbieter unter anderem verhindern, dass seine auf dem Bildschirm dargestellten Inhalte etwa durch Werbung von anderen Anbietern überlagert werden.

Nun scheint RTL seine Blockadehaltung jedoch aufgegeben zu haben, denn ab sofort sind die HbbTV-Angebote der Sender RTL, Vox, Super RTL und N-TV auch auf Endgeräten nutzbar, die dies bis vor kurzem noch nicht zuließen. Gegenüber DIGITAL FERNSEHEN teilte RTL mit, dass die meisten RTL-HbbTV-Angebote nun auf allen Endgeräten für Satellit und Kabel nutzbar seien, die den HbbTV-Standard unterstützen. Tests in der Redaktion mit Smart-TV-Geräten verschiedener Hersteller haben ergeben, dass die Angaben von RTL korrekt sind und die HbbTV-Dienste nun tatsächlich auf allen Empfangsgeräten zu funktionieren scheinen.

Ausnahmen bestehen hier lediglich für die Mediatheken RTL Now, Vox Now, super RTL Now, und N-TV Now. Um diese nutzen zu können, wird laut RTL auch weiterhin ein Receiver benötigt, der den Abrufdienst HD Plus Replay unterstützt.

Wie Marc Schröder, Geschäftsführer von RTL Interactive, gegenüber DIGITAL FERNSEHEN mitteilte, habe man schon immer zwischen kostenfreien Reichweiten-Diensten, die vor allem auf Werbefinanzierung setzen, und kostenpflichtigen Premium-Diensten unterschieden. "Diese Differenzierung nehmen wir nun, da der HbbTV-Standard auf einer stark zunehmend breiteren technischen Basis aufsetzt, ebenfalls vor, so dass unsere Digitaltext-Angebote sowie Clipfish Music und kochbar das volle Reichweitenpotential ausschöpfen", so Schröder.

Für Premium-Dienste wie die Sendermediatheken würden weiterhin andere Rahmenbedingungen gelten, da diese auch lizenzrechtlich strengeren Anforderungen unterliegen würden. Deshalb werde Signalschutz auch weiterhin ein wichtiges Thema für RTL bleiben. "Wir wollen auch zukünftig mitbestimmen, was mit unseren Inhalten geschieht und gleichzeitig vermeiden, dass andere Anbieter auf der Basis unserer - mit hohen Investitionen verbundenen − Inhalte Geschäfte machen, ohne uns zu beteiligen", so Schröder weiter.

Für die Zuschauer ist jedoch erfreulich, dass RTL zumindest seine grundlegende Blockade gegenüber dem etablierten HbbTV-Standard nun offenbar aufgegeben hat und diesen nun zumindest dafür nutzt, kostenlose Online-Inhalte - etwa von Clipfish - auf den TV-Bildschirm zu bringen. Anhand der Entscheidung von RTL, hier auf eine neue Strategie zu setzten, zeigt sich, dass der Erfolg des Hybrid-Standards HbbTV von den Sendern zunehmend Ernst genommen wird.