Die weitere strategische Ausrichtung des ORF bis 2020 sorgt für Diskussionen. Für den ORF geht es darum, den Sender angesichts des dramatischen Umbruchs der Medienlandschaft so aufzustellen, dass dieser seine starke Position auch im Jahr 2020 behaupten kann, wie Generaldirektor Alexander Wrabetz bereits vor einigen Wochen erklärte. Geht es nach Wrabetz, soll der ORF-Stiftungsrat am Donnerstag deshalb punkto Strategie allgemeine Grundsätze der Geschäftspolitik festlegen.

Ein rund 40-seitiges Papier wurde den Stiftungsräten im Vorfeld der Sitzung übermittelt. Es enthält ORF-interne Analysen zur Entwicklung des Marktumfeldes sowie Empfehlungen der Boston Consulting Group. Nicht alle sind mit den vorgelegten Strategievorschlägen freilich zufrieden. Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“ im obersten ORF-Gremium, ortet etwa noch einigen Gesprächsbedarf und fordert Nachschärfungen.

„Der Analyseteil des Papiers ORF 2020 ist ausführlich und am Punkt, aber es fehlen die klaren unternehmensstrategischen Schlussfolgerungen“, gibt Medwenitsch gegenüber der APA zu bedenken. Wo es seitens des Managements noch weiterer Arbeiten bedarf: „Die zukünftige Struktur und Unternehmensorganisation ist dem Papier nur eine halbe Seite wert und die Standortfrage - mit rund 200 Millionen eines der größten Investitionsprojekte des ORF - wir faktisch ausgespart. Da ist das Papier zu wenig konkret und gehört weiterentwickelt und nachgeschärft.“ Der stellvertretende Stiftungsratsvorsitzende stellt aber auch klar: “Ich stehe hinter dem Projekt einer neuen Unternehmensstrategie und sehe darin auch die Chance für eine Weiterentwicklung des ORF.„

Für die ORF-Führung hat sich die strategische Neuausrichtung des öffentlich-rechtlichen Senders vor allem an drei Trends zu orientieren: Neue Technologien, neues Konsumentenverhalten und neue Wettbewerber. Der ORF müsse künftig “Content Leadership„ anstreben und definieren, auf welchen Plattformen für welche Zielgruppen und in welchen Genres hochqualitativer Inhalt angeboten wird. Und der ORF müsse sich auf die Entwicklung nonlinearer Angebote vorbereiten.
Bei einer Sitzung des ORF-Finanzausschusses am Montagnachmittag wurde unterdessen die aktuelle Entwicklung des ORF besprochen. Fazit nach Informationen von mehreren Teilnehmern: Der ORF hat seine finanziellen Pläne im ersten Halbjahr 2013 übertroffen und befindet sich in Sachen Sparen und Budget 2014 auf Kurs.

Ebenfalls auf der Tagesordnung des Finanzausschusses der Punkt “Stand Projekt Focus„. Dabei berichtete der für das ORF-interne Spar- und Strukturprojekt “Focus„ zuständige Werner Herics, der auch die von der Boston Consulting Group begleitete Arbeitsgruppe zur Zukunftsstrategie leitet, über eine strukturelle Neuaufstellung von Ö1, wie ein weiterer Teilnehmer der Sitzung berichtete. Demnach könnte Ö1 nach dem Senderprinzip und Vorbild von Ö3 neu organisiert werden.