Nach einigen Anläufen ist sie nun Realität: Mit R9 steht ab sofort eine gemeinsame Vermarktungsgesellschaft der regionalen Fernsehsender für national buchbare Werbeblöcke zur Verfügung. Mit diesem „neuen Kapitel Mediengeschichte in Österreich“ folge man dem Trend zur Regionalität, der auch für die Werbebranche zunehmend von Interesse sei, wie Marcin Kotlowski, Geschäftsführer des Wiener Senders W24, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz betonte. Zehn Sender aus allen Bundesländern sind nun über eine zentrale Anlaufstelle erreichbar.

Dass ein derartiges Vorhaben Erfolg versprechend ist, würden nicht nur internationale Beispiele zeigen. Auch die heimischen Privatradios arbeiten seit 15 Jahren mit der gemeinsamen Vermarktungsplattform RMS. Die Sender selbst bleiben natürlich weiterhin „völlig unabhängig“, wie Kotlowski unterstrich. Die nächsten Phasen des Projekts lauten nun technischer Zusammenschluss für die sekundengenaue Abrechnung der Blöcke, wobei man hier mit der ORF-Sendetechniktochter ORS zusammenarbeitet, sowie die mittelfristige Etablierung gemeinsamer Programminhalte.

Die Werbebranche steht dem Vorhaben positiv gegenüber, wie Rudi Kobza, Eigentümer von Kobza Media, unterstrich. „Je globaler, je komplexer die Welt wird, umso mehr gewinnt die Region für die Menschen an Bedeutung.“ Das spiegle sich letztlich auch in wirtschaftlichen Belangen wieder. Mit R9 werde es der Werbewirtschaft nun vereinfacht, bei den „sehr erfolgreich operierenden“ Regionalsendern zu buchen. „Und das auf einen Knopfdruck, mit einem Ansprechpartner“, so Kobza.

Neben W24 sind schau TV (Burgenland), LT1 (Oberösterreich), Steiermark 1, Kärnten 1, tirol tv, Ländle TV (Vorarlberg), P3 St. Pölten, N1 Niederösterreich sowie RTS (Salzburg) als Partner an Bord. Unterstützt wird das Vorhaben weiters von der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR. Inhaltlich fokussiere man sich derzeit auf die Entwicklung einer gemeinsamen Vorabendschiene, angedacht ist etwa ein „Österreich Bild“. „Die Werber wollen ja ein einheitliches Programmumfeld“, wie Kotlowski erläuterte. „Solche Projekte kosten aber viel Geld, weshalb wir da mit Bedacht unterwegs sind.“ An ein Frühstücksfernsehen denke man derzeit nicht.

R9 ist zu je 35 Prozent im Besitz der Wien Holding und Holzhey Management und Beteiligungen GmbH, die weiteren 30 Prozent hält die Kobza Media Gruppe. In etwa drei Jahren sollen die Regionalsender die Hälfte ihrer Einnahmen auf nationaler Ebene lukrieren können, was bei den großen Sendern einer Verdoppelung der derzeitigen Volumina (zwischen 750.000 und einer Million Euro) entsprechen würde, wie Kotlowski als Ziel angab. Neben den Werbeblöcken im Fernsehen ist auch eine Vermarktung der Online-Auftritte der Sender geplant.