"Öffentlich-rechtliches Fernsehen hat eine starke Vergangenheit und starke Zukunft: Unser Programmmix aus unabhängiger Information, Kultur, Sport, hochwertiger Unterhaltung, österreichischen Eigenproduktionen, den Regionalprogrammen und vielem mehr ist erfolgreich und der Zukunftsweg des ORF", betonte ORF-Generaldirektor Dr. Alexander Wrabetz im Rahmen einer Paneldiskussion zum Thema "Alte Feinde, neue Freunde?" im Rahmen der österreichischen Medientage 2013. Seine Kernthese: "Das Internet hat im Jahr 2013 insbesondere durch die Enthüllungen von Edward Snowden seine Unschuld verloren." Auch Wettbewerb im globalen Maßstab brauche faire Regeln. Wenn es etwa stimme, dass Google, wie berichtet wird, Werbeblocker-Technologie zum Nachteil von Mitbewerbern beeinflusse, so müsse dies untersucht werden, so Wrabetz. Der ORF werde eine entsprechende Sachverhaltsdarstellung an die Wettbewerbsbehörde übermitteln.

"Die Diskussion der vergangenen zehn Jahre war von der Bedrohung der klassischen Medien durch das junge, wilde Internet geprägt", so Wrabetz: "Heute sind wir aber einen Schritt weiter: 2013 hat das Internet seine Unschuld verloren. Userinnen und User haben den Eindruck, sie werden ausspioniert und überwacht. Fragen wie die des Datenschutzes oder des Urheberrechts sind zu klären. Ein fairer Wettbewerb zwischen den klassischen Medien und den globalen Playern wie Google und Co. braucht klare Regeln!"

"Denn angesichts der österreichischen und europäischen Diskussion könnte man fast den Eindruck gewinnen: Wenn Zeitungen und öffentlich-rechtlicher Rundfunk über die Spielregeln beim Tischfußball diskutieren, haut Google mit dem Stadion ab", betonte Wrabetz. Während Google weltweit 2012 überwiegend mit Online-Werbung einen Umsatz von 43,7 Milliarden Euro erzielt habe, so betrugen die Werbeumsätze des gesamten europäischen Fernsehmarkts rund 31 Milliarden Euro. "Die europäische TV-Wirtschaft beschäftigt aber rund sechs Millionen Menschen und sorge für eine enorme Wertschöpfung, während Google in Europa nur einige hundert Mitarbeiter beschäftigt", so der ORF-Generaldirektor.

Für den ORF-Generaldirektor sind für die positive Weiterentwicklung des europäischen und österreichischen Medienstandortes Österreich vier Punkte entscheidend:

  • Es braucht für das Internet allgemein gültige Regeln, die den Userinnen und Usern das Vertrauen zurückgeben und das Gefühl des Überwachtwerdens nehmen.
  • In Österreich solle ein Medienrat eingerichtet werden, der klarstellt, welche Onlineangebote Medien sind und welche nicht. Damit ist eine klare Differenzierung zwischen contentproduzierenden Redaktionen und anderen Online-Anbietern möglich.
  • Die österreichischen Medienteilnehmer brauchen Bewegungsspielraum auf den neuen Plattformen, auch der ORF. Schätzungen zufolge werden in Österreich jährlich 200 Millionen Apps downgeloaded, die ORF-App zur Ski-WM Schladming rund 200.000-mal. Hier kann wohl kaum von einer Marktverzerrung durch den ORF gesprochen werden.
  • Bewegtbild-Vermarktung: Angesichts der Übermacht von YouTube sollte die österreichische Marktpräsenz im Bereich Bewegtbild gesteigert werden. Der ORF schlage vor, Bewegtbildangebote gemeinsam mit österreichischen Medienpartnern zu sharen und auch gemeinsam zu vermarkten.