Wie eine verbindliche Vereinbarung für die kommende TV-Generation Ultra HD konkret aussehen wird, ist heute noch offen. Darauf wies Hans Hoffmann, Head of Media Fundamentals and Production Technology bei der European Broadcasting Union (EBU), am 17. Oktober auf den Münchner Medientagen hin. Ultra HD umfasse nicht nur eine höhere Bildauflösung (bei UHD-1 sind es konkret 3.840 mal 2.160 Bildpunkte, also vierfaches Full HD), es zeichne sich auch durch eine höhere Bildwiederholrate, höheren Kontrast (HDR), durch ein größeres Farbspektrum und einen besseren Sound aus, stellte Hoffmann klar. Ein künftiges Ultra HD-Profil müsse diese Anforderungen unterstützen – insbesondere eine Kodierung mit mindestens 10 Bit, ein erweitertes Farbspektrum sowie höhere Bildwiederholraten. Die EBU sei bei Ultra HD klar dabei, allerdings werde man sich Zeit lassen und nicht auf eine „halbe Lösung“ setzen. Hoffmann betonte, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk kein Ultra HD-Vorreiter sein wird. „Bei den Öffentlich-Rechtlichen hat dazu keiner die Muskeln, wir sind Follower.“

„HDMI ist am Ende“ – Offene HEVC-Patentfragen

Ob die Datenschnittstelle HDMI noch das Nonplusultra bei Ultra HD-Übertragungen ist, stellte Hoffmann deutlich in Frage. „HDMI steigt bei 50/60 Hertz aus – HDMI ist am Ende“, so seine recht drastische Beurteilung. Hier benötige man etwas Neues. Unübersichtlich ist zudem die aktuelle Situation mit Blick auf den neuen Videokompressions-Standard „High Efficiency Video Coding“ (HEVC), auch als H.265 bekannt. „Für HEVC gibt es noch keinen Patentpool“, erläuterte der EBU-Mann – ergo stellen etwaige Lizenzkosten für die Endgeräte-Hersteller eine unbekannte Variable dar. Auf Senderseite wiederum sind für Ultra HD „signifikante Investments“ notwendig – auch dieser Umstand muss von den Inhalteanbietern erst einmal bewältigt werden.

Sky „bläst die Rohre durch“
Als Ultra HD-Vorreiter leistet zweifelsohne der Pay-TV-Anbieter Sky Pioniertaten. Bereits im Dezember 2012 hatte das Unternehmen mit der Bundesliga-Partie Bayern München gegen Borussia Dortmund erste Ultra HD-Aufzeichnungen realisiert, wie Stephan Heimbecher, Head of Project Management & Standards - Technology bei Sky, in Erinnerung rief. Das Multiview-Konzept, das Sky auf der IFA vorstellte (INFOSAT berichtete), habe das Publikum „durch die Bank“ sehr gut angenommen. Nun sei man dabei, in der Produktionskette „die Rohre durchzublasen“ und somit die Voraussetzungen für eine erste echte Live-Produktion zu schaffen. Dies wird aber wohl frühestens im kommenden Jahr tatsächlich umsetzbar sein – dann sind voraussichtlich die ersten HEVC-Encoder verfügbar, die Ultra HD-Sequenzen in Echtzeit komprimieren können. Als Showcase biete sich eine Live-Übertragung der Bundesliga an, sagte Heimbecher. Ein späterer Demokanal wird – wie einst auch beim Thema 3D – ein Multi-Genre-Sender sein. Sport, Filme und insbesondere Dokumentationen kommen dafür als Inhalte in Frage.

SES mit zwei Demokanälen
Zu den wesentlichen Ultra HD-Treibern gehört außerdem der Satellitenbetreiber SES, der auf 19,2° Ost und 5° Ost Ultra HD-Sequenzen als Demonstration ausstrahlt. Empfangbar sind diese Sender derzeit mit einigen Receiver-Prototypen, die bislang aber nur Bildwiederholraten von 24 Bildern pro Sekunde umsetzen können. Von erforderlichen Chips mit 50/60 Hz-Unterstützung sei man „noch ein paar Monate entfernt“, erläuterte Thomas Wrede, Vice President Empfangssysteme bei SES. Einen Tipp hatte er für neugierige Ultra HD-Interessenten aber noch parat: Per PC-Sat-Empfangskarte (DVB-S2) könne man die Streams aufzeichnen und dann mit einem HEVC-fähigen Software-Decoder wiedergeben – eine entsprechend leistungsfähige PC-Hardware natürlich vorausgesetzt.