Zwischen den heimischen Privatsendern ATV und Puls 4-ProSiebenSat.1 herrscht derzeit Eiszeit. Grund dafür ist die Vergabe der Programmplätze auf der Plattform HD Austria. ATV sieht sich in der Programmierung gegenüber Puls 4 und den ProSiebenSat.1-Kanälen benachteiligt und darüber hinaus auch im Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) nicht wirklich in seinen Interessen vertreten. ATV-Eigentümer Herbert Kloiber drohte deshalb jüngst sogar mit einem möglichen Austritt aus dem Verband.

Ab November könnte ATV seinen prominenten Programmplatz Nummer 3 auf der Plattform HD Austria an Puls 4 verlieren, da ATV bisher die Teilnahme am Sharing Modell der Plattform verweigerte. Bei ATV macht man für den möglichen Verlust des Programmplatzes vor allem das „aggressive Vorgehen“ der Puls 4-ProSiebenSat.1-Gruppe verantwortlich. Das geplante Vorgehen sei jedenfalls „konsumentenfeindlich“ und stelle einen „wettbewerbs- und konsumentenschutzrechtlichen Skandal“ dar. Puls 4-Geschäftsführer Markus Breitenecker benütze darüber hinaus seine Funktion als stellvertretender VÖP-Vorstandsvorsitzender „extensiv“ für seine Interessen, heißt es im Sender.

ATV-Senderchef Martin Gastinger übte denn auch im Branchenmagazin „Journalist“ vor wenigen Wochen bereits heftige Kritik an den Aktivitäten der Puls 4-ProSiebenSat.1-Gruppe. Den VÖP bezeichnete Gastinger kurz später im HORIZONT als „Bühne für die deutschen Privatsender, die hier Etikettenschwindel betreiben“. Dass sich ATV vom Privatsenderverband nicht immer vertreten fühlt, erklärte auch ATV-Eigentümer Herbert Kloiber. „Wenn dieser zu sehr in eine Richtung polarisiert, könnte es auch den Austritt aus dem Verband geben“, so Kloiber am vergangenen Wochenende im „Kurier“.

Puls 4-Chef Breitenecker war am Mittwoch am Rande des Fernsehforums indes um Beruhigung bemüht. „Wir sind in guten Gesprächen mit ATV.“ Letztlich sei die Frage der Programmplätze aber zwischen ATV und dem HD Austria Betreiber M7 zu klären. „Wir würden es jedenfalls begrüßen, wenn ATV dort mitmachen würden.“

Bernhard Albrecht, bei Puls 4 und ProSiebenSat.1 Österreich unter anderem für Technik, IT und Produktion verantwortlich, wies darauf hin, dass es die freie Entscheidung von ATV war, nicht am Projekt HD Austria teilzunehmen und daher offensichtlich kein Vertrag mit HD Austria besteht. „Nun daraus eine Benachteiligung für sich zu formulieren, ist verwunderlich.“ Puls 4 und ProSiebenSat.1 nähmen jedenfalls keinen Einfluss auf die dortige Programmausgestaltung.

Breitenecker geht davon aus, dass die Sache „nicht so heiß gegessen“ wird. Auch die Ausstiegsdrohungen aus dem VÖP will der Puls 4-Chef nicht überbewerten. „Ich bin mir sicher, dass wir das freundschaftlich und kollegial lösen können. In Wirklichkeit verfolgen wir beim Thema HD alle die gleichen Ziele und Interessen.“ Dem Privatsenderverband sei es jedenfalls wichtig, „keine Initiativen gegen einzelne Mitglieder“ zu starten.

Branchenspekulationen, wonach ATV wegen des Konflikts mit Breitenecker ein Bündnis mit dem ORF eingehen könnte, wies Kloiber im „Kurier“ übrigens zurück. „Es gibt offenbar den Wunsch, den etwas überlauten Herrn Breitenecker in die Schranken zu weisen. Ich habe Herrn Wrabetz aber jüngst deutlich gemacht, dass man mich keinen Zentimeter zu einer Verbrüderung gegen die deutschen Werbefenster bringt.“