Kein Antennenfernsehen mehr als Livestream: Das oberste US-Gericht hat entschieden, dem Online-Dienst Aereo den Stecker zu ziehen. Damit können Millionen US-Amerikaner demnächst nicht mehr per Livestream fernsehen. Die Internetbranche flucht, TV-Sender jubeln.

Tausende US-Amerikaner, die Fernsehen übers Internet schauen, gucken bald in die Röhre. Denn das oberste US-Gericht hat am Mittwoch gegen den Onlinedienst Aereo entschieden. Dieser wandelt lokales Antennenfernsehen in einen Livestream für Computer, Tablets oder Smartphones um.

Große Fernsehsender hatten gegen Aereo geklagt und der jungen Firma vorgeworfen, das geistige Eigentum der Sender unrechtmäßig zu nutzen. Aereo stellte sich dagegen auf den Standpunkt, nur eine technische Lösung zum Fernsehgucken anzubieten. "Aereo ist nicht einfach ein Geräteanbieter. Aereo verkauft eine Dienstleistung", erklärte der Supreme Court in Washington am Mittwoch und gab damit der Klage der Fernsehsender statt. Es wird nun damit gerechnet, dass Aereo seinen Betrieb einstellt.

Das Urteil war mit Spannung erwartet worden. Beobachter fürchten, dass andere Technologiefirmen abgeschreckt würden, sogenannte Cloud-Dienste zu entwickeln. Dabei handelt es sich um Internetservices wie die Speicherung von Daten. Die Richter sahen diese Gefahr mehrheitlich nicht.

Aereo bietet seinen Dienst bislang nur in US-Metropolen an, wollte aber kräftig wachsen. In New York kostet der Dienst 8 Dollar oder umgerechnet knapp 6 Euro pro Monat, darin eingeschlossen ist die Aufzeichnung von Sendungen.

Die Firma betreibt vor Ort Tausende Antennen, so groß wie Büroklammern, die sie an ihre Kunden "vermietet". Aereo selbst sieht darin rechtlich keinen Unterschied zur Antenne auf dem heimischen Fernseher. Die Entscheidung des Gerichts sei ein "massiver Rückschlag für die amerikanischen Verbraucher", erklärte Gründer und Firmenchef Chet Kanojia. "Dies sendet eine abschreckende Botschaft an die Technologiebranche."

Die großen Fernsehsender wie CBS oder ABC sahen durch Aereo ihre Einnahmen bedroht. Denn Kabelanbieter oder Satellitenbetreiber zahlen in den USA dafür, die Programme verbreiten zu dürfen. "Wir sind zufrieden mit der heutigen Entscheidung, die eine großartige Nachricht für die Produzenten von Inhalten und deren Publikum ist", erklärte CBS.