Der Einstieg des ORF bei dem Wiener Start-up Flimmit ist beschlossene Sache: Die Beteiligung an der Videoplattform, mit der sich der ORF im Bereich der nicht-linearen Videoangebote stärker positionieren will, wurde am Donnerstag vom ORF-Stiftungsrat abgesegnet. Bei der ersten Arbeitssitzung des neu konstituierten Gremiums waren auch die Strategie „ORF 2020“ und das Bauvorhaben am Küniglberg Thema.An Flimmit, das 2009 gegründet wurde, beteiligt sich der ORF über seine Tochtergesellschaften ORF-Enterprise sowie ORS vorerst mit 25 Prozent. Der Anteil soll künftig aber erhöht werden. Mit einem Start der neuen Plattform könnte es Anfang des kommenden Jahres soweit sein. Ein Schritt, der auch zur heute vollständig beschlossenen Strategie „ORF 2020“ passt. Sie sieht in erster Linie sowohl multimediale Produktion als auch Ausspielung der Inhalte vor. Damit soll neuen Technologien, verändertem Konsumverhalten und nicht zuletzt neuen Wettbewerbern am Markt Rechnung getragen werden.

Hinsichtlich der Zusammenlegung der Wiener ORF-Standorte am Küniglberg, die im Frühjahr beschlossen wurde, hat man den nächsten Schritt getan: Am Donnerstag hat der Stiftungsrat sein Okay für die Gründung einer Immobiliengesellschaft gegeben, über die die Finanzierungsvariante Leasing, die derzeit für das rund 300 Mio. Euro teure Projekt neben einer Anleihe priorisiert wird, abgewickelt werden soll. Welche der beiden Varianten schlussendlich realisiert wird, soll sich Ende 2014 bzw. Anfang 2015 entscheiden.Wie das künftige ORF-Zentrum schlussendlich aussehen wird, dürfte bis zum Oktober klarer werden: 15 Architekten wurden diese Woche ausgewählt, um bis dahin einen Entwurf vorzulegen. Die Namen, die noch nicht genannt werden können, sollen sich sowohl aus heimischen wie internationalen Vertretern und großen wie kleineren Büros zusammensetzen.

Jahresabschluss angenommen
Der Stiftungsrat hat weiters den Jahresabschluss 2013 einstimmig angenommen. Erstmals betrug der Umsatz mehr als eine Mrd. Euro, wie ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz im Anschluss darlegte. „Viel wichtiger ist aber, dass es erneut ein positives Jahresabschluss war, sowohl in der ORF-Mutter wie im Konzern.“ Das Finanzielle stand auch bei ORF-Radiodirektor Karl Amon im Fokus. Kurz referierte Wrabetz über die mit der im Vorjahr ausgelaufenen Gebührenrefundierungen verbundenen Ziele. „Der Personalaufwand konnte in Summe gegenüber der Fortschreibung seit 2009 um 60 Mio. Euro gesenkt werden.“ Gleichzeitig wurden in diesem Zeitraum bei den Sachkosten 40 Mio. Euro eingespart, trotz eines größeren Outputs, wie Wrabetz mit Verweis auf Angebote wie ORF III oder die TVthek darlegte.

Die beschlossene Strategie „ORF 2020“ sei insofern von zentraler Bedeutung, als man sich in den kommenden Jahren mit einer sich stark verändernden Medienwelt konfrontiert sehen werde. Insgesamt beinhalte das Dokument 55 Einzelstrategien, für die jeweils eine Grundrichtung bestimmt wurde. „Die Umsetzung wird dann schrittweise erfolgen“, so Wrabetz. Eine erste Maßnahme sei die Beteiligung an der Plattform Flimmit. Am Ende eines langen Sitzungstages musste auch ORF-Radiodirektor Karl Amon dem Gremium Rede und Antwort stehen. Im Fokus stand dabei die finanzielle Gebarung seines Bereichs. Auf Basis der Situation nach dem ersten Quartal zeige sich, „dass das Radio die Budgetvorgaben nicht einhalten wird können“, so Wrabetz. Aus jetziger Sicht gehe es dabei aufs Jahr gerechnet um einen Betrag von etwa zwei Mio. Euro. Sein Vertrauen genieße Amon aber dennoch, wie Wrabetz auf Nachfrage betonte. „Er hat deutlich gemacht, dass er sich selber sehr große Ziele gesetzt hat. Wir gehen davon aus, dass er sich bemühen wird, diese bestmöglich zu erreichen.“

Wettsingen 2015

Auch der vorläufige Kostenrahmen für den Eurovision Song Contest 2015 steht. Dieser sieht einen Aufwand von 25 Mio. Euro bei Einnahmen in der Höhe von 10 Mio. Euro vor. Der ORF-Stiftungsrat hat die Vorgaben einstimmig angenommen. Wie viel den ORF die Veranstaltung tatsächlich kosten wird, dürfte sich erst nach der Vergabe des Austragungsortes entscheiden. Derzeit sind noch die Städte Wien, Graz und Innsbruck im Rennen. Wien rechnet sich mit der Stadthalle gute Chancen für den Zuschlag aus. Allerdings wird in der Bundeshauptstadt seit Kurzem auch über einen Hallenneubau zwecks Song-Contest-Austragung gemunkelt. Demnach gibt es Ideen, eine Mehrzweckhalle am Areal von Neu Marx im Bezirk Landstraße zu errichten. Denn dort gebe es im Umfeld der alten Rinderhalle - nachdem der ORF beschlossen hat, nicht dorthin zu übersiedeln - genug Platz, so das Argument.

Außerdem müsste die Stadthalle dann nicht wochenlang für andere Veranstaltungen gesperrt werden, was ein teures Unterfangen wäre. Aus dem Büro von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) hatte es zuletzt geheißen, dass man sich mit beiden Standorten beworben habe. Über die Kosten eines möglichen Hallenneubaus gab es aber vorerst keine Informationen. Ernsthafte Konkurrenz gibt es für Wien aus dem Westen, da verschiedenen Medienberichten zufolge Innsbruck sich mit einem ansprechenden Konzept sehr gut präsentiert habe.

Mit einer Entscheidung hinsichtlich des Standortes ist voraussichtlich noch im Juli zu rechnen. „Unsere technischen Teams werden nach Möglichkeit nächste Woche die drei Locations besichtigen“, wie Wrabetz erläuterte. Danach werde man offizielle Gespräche mit den potenziellen Host-Citys führen. Mit der Auswahl des Veranstaltungsortes dürfte dann auch das Datum für den größten Musikwettbewerb der Welt feststehen. Ebenfalls noch nicht besetzt ist derzeit der Posten des Event Managers, der federführend das Rahmenprogramm des Megaevents gestalten und umsetzen soll. Die Bewerbungsfrist dafür ist mit 20. Juni ausgelaufen.

Der weitere Fahrplan beinhaltet zudem die Vertragsunterzeichnung zwischen dem ORF und der European Broadcasting Union (EBU), zu der es im August kommen soll. Das Budget werde im Oktober vorgestellt, bevor im Dezember das „Final Theme Art“, also das Design für den Eurovision Song Contest 2015 fixiert werden soll. Die endgültige Teilnehmerliste der Länder sowie der künstlerische Ablauf stehen dann schließlich im kommenden Jahr an.