Trubel in der österreichischen TV-Landschaft: Beim ORF gibt es offenbar Überlegungen, einen weiteren Spartensender zu starten, der sich rein auf regionale Themen konzentrieren soll. Bei den Privatsendern regt sich Widerstand. Sie werfen dem ORF vor, nur noch in kommerziellen Bahnen zu denken.

Beim österreichischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt es Überlegungen zu einem weiteren Spartensender. Vorstellen kann man sich in Wien offenbar einen bundesweiten Fernsehkanal für regionale Themen. Für den Rundfunkanbieter würde sich damit praktisch die Möglichkeit bieten, die regionalen Sendeschienen seines Kanals ORF 2 auf einen neuen Sender auszugliedern.

Doch auch wenn es sich bei derartigen Plänen derzeit bestenfalls um Gedankenspiele handelt, formiert sich schon Widerstand von Seiten der Regionalsender. Am Donnerstag meldete sich diesbezüglich bereits der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) zu Wort. Dessen Vorsitzender Klaus Schweighöfer hält einen regionalen Spartenkanal des ORF weder für denkbar noch für notwendig, da die Sendeschienen auf ORF 2 ausreichend seien, um regionale Themen zu behandeln.

Die Befürchtung des VÖP ist jedoch, dass der ORF gewillt sein könnte, ebendiese Ragionalfenster auf ORF 2 einzustellen und den Sender weiter zu kommerzialisieren, sollte ein neuer Extra-Sender für regionale Themen zur Verfügung stehen. "Der ORF kann nicht einfach all jene Inhalte, die möglicherweise nicht optimal vermarktbar sind, nach Gutdünken auf Spartenkanäle auslagern", kritisiert Schweighöfer. Zudem sehe man in einem ORF-Regionalsender eine existenzielle Bedrohung für die privaten Lokalsender in Österreich.

Auch andere Expansionspläne, wie etwa der Aufbau einer eigenen Video-on-Demand-Plattform, stoßen dem Privatsenderverband sauer auf. "Der ORF engagiert sich in unserer Wahrnehmung hauptsächlich für Themen, die rein kommerziellen Charakter haben und keinen oder kaum einen Beitrag zum öffentlich-rechtlichen Kernauftrag liefern", erklärt die Geschäftsführerin des VÖP, Corinna Drumm. Der Vorsitzende Schweighöfer wirft hinterher: "Ein staatlich alimentierter Wettbewerbsteilnehmer kann nicht einfach machen, was er will. Er agiert natürlich innerhalb deutlich engerer Grenzen als nicht subventionierte Marktteilnehmer."