Wird der geplante Jugendkanal von ARD und ZDF nun aus den eigenen Reihen torpediert? Angesichts der aktuellen Stellenkürzungen ist beim ZDF eine Debatte um den Personalbedarf für das neue Angebot entbrannt. Der Personalrat der Mainzer lehnt eine Beteiligung an dem Projekt nun gar offen ab.

Eine schwierige Situation für ZDF-Intendant Thomas Bellut: Weil das ZDF sparen muss, sollen bis 2020 insgesamt 562 Stellen abgebaut werden. Diese Zahl hatte der Intendant zum ersten Mal in der vergangenen Woche genannt und damit die eigenen Mitarbeiter geschockt. Zuvor war noch von einem Stellenabbau von 400 Personen die Rede gewesen. Doch nicht zuletzt bei der Gewerkschaft Verdi Rheinland-Pfalz-Saarland regt sich nun Widerstand gegen die Pläne.

Unter einem Stellenabbau in dieser Größenordnung würde fast zwangsläufig auch das Programm leiden, wie Gewerkschaftssekretär Michael Holdinghausen am Dienstag erklärte. Dabei ist der Personalabbau beim Zweiten längst in vollem Gange. So wurden bislang bereits 350 Arbeitsplätze beim Mainzer Sender abgebaut.

Befürchtungen, dass diese Kürzungen negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Rundfunkanstalt haben können, kommen jedoch nicht nur von der Gewerkschaft sondern in den vergangenen Tagen immer öfter auch aus dem eigenen Haus. Zunehmend in Frage gestellt, wird dabei seit neuestem auch das Projekt Jugendkanal.

Erst in der vergangenen Woche erklärte Intendant Bellut bei einer Sitzung des ZDF-Fernsehrats, dass beispielsweise die Umsetzung des neuen, in Kooperation mit der ARD geplanten Jugendkanals angesichts der Personaleinsparungen nicht möglich sei. Von der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten), die den Bedarf des ZDF ermittelt und darauf basierend die Finanzmittel für das Rundfunkhaus bereitstellt, möchte Bellut deshalb die Zusage für 30 zusätzliche Stellen für den neuen Sender.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Mittwoch berichtet, soll sich nun auch der Personalrat des ZDF in ähnlicher Art und Weise geäußert haben. In einem Flugblatt erklärte der Rat demnach am Dienstag, dass eine Beteiligung an dem Jugendkanal angesichts der Personalkürzungen abgelehnt werde. Die Diskussion um den Personalbedarf für den gemeinsam von ARD und ZDF geplanten trimedialen Sender entfacht sich dabei ausgerechnet in der Woche, in welcher sich die Regierungschefs der 16 deutschen Bundesländer zur gemeinsamen Konferenz treffen. Sie müssen die Entscheidung darüber treffen, ob ein neuer Jugendkanal realisiert werden soll.