Auf einen „guten Budgetprozess“ blickte ORF-Chef Alexander Wrabetz am Montag zurück. Der Finanzplan für das kommende Jahr, der dieser Tage an die Stiftungsräte verschickt wurde, sieht ein ausgeglichenes Budget vor. „Wir werden wie geplant in den schwarzen Zahlen bleiben, auch ohne Gebührenrefundierung“, unterstrich Wrabetz vor Journalisten. Das Budget sei von einigen Großprojekten geprägt.

Insgesamt werden für 2015 positive Ergebnisse (EGTs) von 0,3 Millionen Euro im ORF sowie 0,8 Millionen Euro im ORF-Konzern erwartet. In Sachen Eurovision Song Contest (ESC) befinde man sich „absolut im Plan“, wie ORF-Finanzdirektor Richard Grasl betonte. Aufwendungen von 25 Mio. Euro werden Einnahmen von etwa zehn Mio. Euro gegenüberstehen. Zwei bis drei Mio. Euro an Kosten werden noch im laufenden Jahr schlagend.

Gemeinsam mit dem Neujahrskonzert werden damit die zwei größten TV-Ereignisse abseits des Sports in Wien über die Bühne gehen. „Den Song Contest gewinnt man erfahrungsgemäß auch nur alle 50 Jahre“, meinte Wrabetz. Aus Programmsicht wären noch die alpine sowie nordische Ski-Weltmeisterschaft, die Freestyle Ski und Snowboard WM am Kreischberg sowie die Rückkehr der Champions League in den ORF zu erwähnen. Bei Information und Kultur könne man „das hohe Niveau des heurigen Jahres“ halten, wie Wrabetz erläuterte. Abseits davon gelte es, das „Standortprojekt in wesentlichen Elementen“ voranzutreiben.

Das Finanzierungsprojekt für die Zusammenlegung der Wiener ORF-Standorte am Küniglberg soll realisiert werden, wobei derzeit Leasing und Anleihe als mögliche Varianten infrage kommen würden. Laut Grasl sollen bis Mitte des Jahres alle wesentlichen Details am Tisch liegen, um dann im September eine Entscheidung treffen zu können. Herzstück des Neubaus ist der trimediale Newsroom. Grundsätzlich will Wrabetz die vier Genres Information, Kultur, Unterhaltung und Sport „stärker medienübergreifend betrachten“.

Insgesamt sieht der Finanzplan 2015 Umsatzerlöse von 911 Mio. Euro vor: 593 Mio. Euro aus dem Programmentgelt, 218 Mio. Euro an Werbeeinnahmen und sonstige Erlöse von 100 Mio. Euro. „Die wirtschaftliche Stabilität ist gegeben“, betonte Grasl. Zusätzliches Personal werde es für die im ersten Quartal startende Videoplattform Flimmit, den ESC und das Bauvorhaben geben, womit der Aufwand um fünf Mio. Euro auf 348 Mio. Euro steigt. Der Sachaufwand werde bei 601 Mio. Euro liegen (2014: 611 Mio. Euro).

Ein neues Korrespondentenbüro kündigte die ORF-Führung für Kiew an. Die Produktionsmittel für den österreichischen Film sollen um sechs Mio. Euro erhöht werden. „Wir budgetieren mit kaufmännischer Vorsicht“, gab Grasl zu bedenken. Würden sich positive Entwicklungen abzeichnen, könnte man wie im laufenden Jahr „unterjährig zusätzliche Investitionen tätigen“. Die gesamten Investitionen in die Filmwirtschaft (inklusive Shows) sollen etwa 85 Mio. Euro ausmachen.

Minimal erhöht im Vergleich zu 2014 werde das Fernsehbudget, wenn man die Sonderevents herausrechne. So ergeben sich 394,3 Mio. Euro. Während für den Sport aufgrund fehlender Großereignisse weniger Mitteln vorgesehen sind, kann die Unterhaltung mit etwas mehr als im laufenden Jahr planen. Information und Kultur bleiben laut Grasl stabil, der das Informationsbudget über alle Mediengattungen hinweg mit 161,2 Mio. Euro bezifferte. Für ORF III sieht der Finanzplan 10,6 Mio. Euro vor, bei ORF Sport + sind es 7,2 Mio. Euro.

Ebenfalls im kommenden Jahr soll der Social Media Programm-Guide realisiert werden, für den in der „Vollausbaustufe“ Wrabetz zufolge eine Gesetzesänderung notwendig wäre. Grundsätzlich seien Signale der Politik erkennbar, den Bewegungsspielraum des ORF im Online-Bereich zu evaluieren. Die derzeitige Rechtslage bezeichnete Wrabetz als „sehr kompliziert“. Der geplante Regionalsender sei indes „kein Projekt für 2015. Das hat Zeit.“

Die am Freitag vom ORF-Redakteursausschuss geäußerte Kritik am Sparkurs der vergangenen Jahre müsse man „akzeptieren“, wie Wrabetz erläuterte. Allerdings sollte man sich die Frage stellen, was die Alternative dazu gewesen wäre. Sorgen bezüglich einer Gefährdung der Unabhängigkeit bei der Umsetzung des trimedialen Newsrooms seien jedenfalls unbegründet. „Veränderung führt immer zu Verunsicherung“, gab Grasl zu verstehen.

„Es wird keine Hyperzentralisierung geben“, ergänzte Wrabetz. Es gehe darum, starke Eigenverantwortung, strukturellen Pluralismus und die Individualität der Ausspielmöglichkeiten sicherzustellen. Eine vorgezogene Wahl der ORF-Führung ortete der Generaldirektor hingegen im Bereich der „Mythen“. Einerseits gebe es dafür im ORF-Gesetz keine technische Möglichkeit, andererseits „keinen Grund dafür“.