Die Verschlüsselte DVB-T-Plattform Viseo Plus wird zum Jahresende von RTL eingestellt. Ein Erfolg konnte das Angebot in fünf Jahren nicht werden. Trotzdem möchte man bei der Mediengruppe beim neuen Übertragungsstandard DVB-T2 wieder auf eine verschlüsselte Plattform setzen. Eine echte Alternative scheint ohnehin nicht gegeben.

Das verschlüsselte DVB-T-Angebot Viseo Plus wird zum Jahresende eingestellt. 2009 hatten die Mediengruppe RTL und Eutelsat Deutschland die Plattform in den Großräumen Leipzig, Halle und Stuttgart gestartet und dort die Free-TV-Sender RTL, Vox, RTL2 und Super RTL verschlüsselt angeboten. Um die Zuschauer zu locken, wurden ebenfalls die Pay-TV-Sender RTL Passion und RTL Crime angeboten - diese allerdings nach einer mehrmonatigen Gratisphase nur kostenpflichtig.

Nun wird Viseo Plus heimlich, still und leise zu Grabe getragen. Zuschauer, die das Angebot bisher genutzt haben, werden somit die RTL-Programme ab dem 1. Januar 2015 überhaupt nicht mehr über DVB-T empfangen können. Zu gering dürfte der Zuspruch zur verschlüsselten Plattform gewesen sein, die sich zudem nur mit proprietärer Hardware nutzen ließ. Doch während ein verschlüsseltes DVB-T-Angebot abgewickelt wird, ist ein neues bereits am Horizont zu sehen.

Spätestens mit der Umstellung auf den neuen Übertragungsstandard DVB-T2 ab 2016 wollen die Privatveranstalter von RTL und ProSiebenSat.1 auch HDTV-Sender anbieten - diese allerdings wie im Kabel und über Satellit nur verschlüsselt. Bei RTL gibt man sich dabei trotz der Viseo-Plus-Erfahrungen nicht entmutigt. "Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist zweifelsfrei, dass sich ein Angebot nur dann nachhaltig durchsetzen kann, wenn es einen deutlichen Mehrwert bietet und überregional angeboten wird", erklärte ein Sprecher der Mediengruppe gegenüber DIGITAL FERNSEHEN.

Eine echte Alternative zu einem verschlüsselten Plattformbetrieb scheint es dabei für RTL ohnehin nicht mehr zu geben. Zu teuer ist die DVB-T-Verbreitung im Vergleich zu anderen Verbreitungswegen mit mehr Reichweite. Nicht zuletzt deshalb liebäugelte man beim Kölner TV-Veranstalter lange Zeit mit einem kompletten Ausstieg aus dem terrestrischen Fernsehen.

"Grundsätzlich kann es eine Zukunft für DVB-T für die Mediengruppe RTL Deutschland weiterhin nur mit einer ökonomisch tragfähigen Plattform im neuen Standard DVB-T2 geben", so der Sprecher deshalb gegenüber der Redaktion. Grundsätzlich meint RTL damit nichts anderes als die Einrichtung eines verschlüsselten Plattformbetriebs, für dessen Decodierung der Kunde wie im Kabel und über Satellit eine Servicepauschale zahlen muss. Auf beiden Verbreitungswegen funktioniert das Geschäftsmodell der verschlüsselten HD-Ausstrahlung bislang für die Sender ziemlich gut. Nun besteht bei den Sendern die Hoffnung, dass sich dieser Erfolg auch auf die terrestrische Verbreitung übertragen lässt - trotz der Viseo-Plus-Erfahrungen.