Die eigene Zielgruppe mit einem klassischen Free-TV-Programm zu begeistern, hat für den deutschen Ableger des Jugendsenders Joiz nicht funktioniert. Der Sender soll in ein geplantes Insolvenzverfahren eintreten, heißt es in einer Mitteilung. Ziel sei es, eine Sanierung zur Weiterführung des Unternehmens in Eigenverwaltung zu erreichen - um möglichst viele der derzeit 65 Arbeitsplätze zu erhalten.

Als Grund für die finanzielle Schieflage nennt Joiz die hohen Distributions- und Personalkosten einerseits, aber auch die zu geringen TV-Werbeumsätze. Gestartet wurde der Sender im August 2013 und verzeichnet seitdem nach eigenen Angaben ein kontinuierliches Wachstum. Konkrete Zuschauerzahlen nannte Joiz zwar nicht, verwies aber auf 200.000 Facebook-Fans und immer neue Nutzer auf der Homepage, wo auch ein Webstream abgerufen werden kann.

Dennoch sei Joiz auch an der deutschen Quotenmessung gescheitert, teilte Senderchef Alexander Mazzara mit. "Wir wissen, dass joiz Germany sein Publikum hat. Joiz-TV-Formate genießen vor allem im Web und in den sozialen Medien eine hohe Relevanz." Es sei aber nicht möglich, diesen hohen Stellenwert bei der jungen Zielgruppe in der deutschen Reichweiten- und Quotenmessung einfließen zu lassen.

"Damit fehlt uns in der Ausweisung durch die AGF/GfK die Reichweiten-Größe, die für die Vermarktung des Free-TV-Senders und damit die Finanzierung notwendig ist", klagt Mazzara und gibt auch zu: "Die klassischen TV-Umsätze sind klar unter den Erwartungen geblieben." Mittelfristig sei für Joiz daher keine Perspektive im deutschen Free-TV-Markt zu erkennen.

Ziel sei es nun, den Sender zu einem IPTV- und Web-TV-Angebot umzustrukturieren. Der Fokus solle künftig auf "digitalen Distributionsplattformen" liegen, mit denen die junge Zielgruppe besser angesprochen werden könne. Das Angebot soll auch künftig aus täglichen, eigenproduzierten, interaktiven Sendungen und Serien bestehen.