Die Quotenmessung in Deutschland soll die mobile Fernsehnutzung auf Smartphones bis zum Jahr 2016 besser abdecken. Denn der klassische Fernsehkonsum verlagert sich bei jungen Leuten zunehmend ins Internet, wie Erhebungen der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) zeigen.

Diese Abwanderer finden sich beim sogenannten nonlinearen TV-Konsum wieder, wie die AGF-Experten am Mittwoch, den 17. Dezember, erläuterten. Die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen, die in der klassischen TV-Nutzung meist geringere Anteile aufweise, sei bei der Streaming-Nutzung überproportional stark vertreten.

„Man kann aus den Daten, die uns nun vorliegen, durchaus ersehen, dass die jungen Leute die Möglichkeiten über PC oder Laptop oder mobile Endgeräte deutlich intensiver nutzen als andere Altersgruppen“, erklärte die AGF-Vorstandsvorsitzende Karin Hollerbach-Zenz. „Dieses scheinbare Minus wird aufgefangen durch die neue nonlineare Welt.“ Die Quoten-Expertin betonte: „Was immer so durch die Köpfe geistert, Fernsehen würde an Attraktivität verlieren, gerade auch in diesen jungen Zielgruppen, ist nicht der Fall. Das können wir mit unseren Zahlen stichhaltig beweisen.“

Der Trend zum nonlinearen Fernsehen sei ein stetiger Anstieg, sagte Hollerbach-Zenz. „Wenn Events das große Thema auf dem klassischen Fernsehbildschirm waren, finden sie auch im Netz viele Nutzer. Darüber hinaus gibt es diese zweite Welt, getrieben von der Dauer: Inhalte, die nicht auf Anhieb große Nutzerzahlen generieren, finden diese im Laufe der Zeit. Die Sat.1-Krimiserie ‚K 11 - Kommissare im Einsatz‘ sei so ein Beispiel aus dem klassischen Fernsehen. «In der Mediathek erschien es zunächst nicht als der große Renner, mit der Zeit kommen aber erhebliche Nutzerzahlen zusammen.“

Aber auch diese nonlineare Nutzung sei noch im Wandel, so die AGF-Chefin. „Wir erwarten, dass in einem Zeithorizont von wenigen Jahren der Schwerpunkt auf der mobilen Nutzung liegen wird. Deswegen bauen wir unsere Messungen im kommenden Jahr so aus, dass wir ab 2016 mobile Reichweiten ausweisen und das ganze Spektrum abbilden können.“ Dass der Trend dahin gehe, könne jeder im Alltag nachvollziehen. „Dabei kann man unmittelbar beobachten, wie intensiv Videonutzung auf den mobilen Endgeräten inzwischen stattfindet. Diese Nutzung ist in der Reichweitenmessung im Moment noch ein blinder Fleck.“