Der ORF widmet dem Zeitgeschichtejahr 2015 mit den historischen Jubiläen 70 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs und Befreiung vom Nationalsozialismus, 70 Jahre Zweite Republik und 60 Jahre Staatsvertrag einen umfassenden Programmschwerpunkt in Fernsehen, Radio und Internet. Der ORF bringt dabei Live-Übertragungen der wichtigsten Gedenk- und Festakte, Zeitzeugen-Interviews, Dokus sowie Filmklassiker.

Insgesamt 190 Stunden Programm in allen ORF-Kanälen stellte ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bei der Präsentation des Schwerpunkts im Wiener Belvedere, wo 1955 der Staatsvertrag unterzeichnet wurde, in Aussicht. „Wir übertragen alle Staats- und Gedenkakte live, und wir setzen ganz stark auf Dokumentationen“, so Wrabetz. Laut Fernsehdirektorin Zechner sollen darüber hinaus „eindrucksvolle persönliche Schicksale“ im Fokus stehen. „Die Geschichten, die wir zeigen und hörbar machen, sind neben der geschichtlichen Faktensammlung auch ein emotionales Archiv“, sagte Zechner.

So zeigt ORF 2 etwa Zeitgeschichtedokus über „Trümmerfrauen“ (29. April, 22.30 Uhr), „Besatzungskinder“ (1. Mai, 21.20), mehrere „Universum History“-Ausgaben zum Treiben der Nationalsozialisten, ein „kreuz und quer“ zur Flucht der Nazis durch Südtirol, Stefan Ruzowitzkys Doku-Drama „Das radikal Böse“ (19. April, 23.05 Uhr) oder eine Doku über die Burgtheater-Produktion „Die letzten Zeugen“ (4. Mai, 22.30 Uhr). ORF III zeigt dazu die Aufzeichnung des aufsehenerregenden Erinnerungsprojekts (5. Mai, 13.25 Uhr).

Bestandsaufnahme zu 60 Jahre Staatsvertrag

Der ORF-Kultursender steuert insgesamt über 100 Stunden zum Programmschwerpunkt bei, porträtiert unter anderm Josef Ritter von Gadolla, den „Retter von Gotha“ (18. April, 21.55 Uhr) und lässt den Regisseur Robert Dornhelm mit „Oh du mein Österreich“ eine filmische Bestandsaufnahme zu 60 Jahre Staatsvertrag machen. Zum Staatsvertrag zeigt ORF 2 eine „Menschen & Mächte“-Ausgabe über Leopold Figl, der sich 1955 im Wiener Belvedere mit dem Satz „Österreich ist frei!“ ins österreichische Gedächtnis eingraviert hatte. Die Landesstudios liefern eine Reihe von „Österreich-Bild“-Ausgaben zum Thema zu: der ORF-Tirol etwa eine Doku über „Die Deserteure vom Vomper Loch“ (26. April, 18.25 Uhr), Niederösterreich legt zu Figl nach (3. Mail, 18.25 Uhr).

Daneben zeigt der ORF auch eine Reihe von Spielfilmen zum Thema: Das Angebot reicht von Klassikern wie dem „Bockerer“ oder dem „Fall Jägerstätter“ bis hin zu jüngeren Produktionen wie „Vielleicht in einem anderen Leben“, „Unsere Mütter, unsere Väter“ oder dem Oscar-prämierten KZ-Drama „Die Fälscher“.

Auch die ORF-Radios Ö1, Ö3 und FM4 stehen in den nächsten Wochen ganz im Zeichen des Zeitgeschichteschwerpunkts, wie Radiodirektor Karl Amon berichtete. So würden sich etwa die Ö1-Reihen „Radiokolleg“, „Betrifft: Geschichte“, „Hörbilder“ und das „Journal Panorama“ den historischen Themen widmen. „Und wir setzen erstmals auch im Teletext einen Schwerpunkt“, erzählte Amon. Die ORF-TVthek stellt darüber hinaus ab Ende April historisches, speziell für die Nutzung im Schulunterricht geeignetes Videomaterial bereit.