Die Quoten von "Newtopia" rauschen immer weiter in den Keller, Sat.1 verbiegt sich in alle Richtungen um das Experiment irgendwie zu retten und verprellt damit Kandidaten und Zuschauer. Geht es jetzt nur noch um Aufmerksamkeit um jeden Preis? Es scheint so.

Gut dreieinhalb Monate läuft "Newtopia" nun schon im Programm von Sat.1 - und wird dabei mit jeder Woche mehr zur Farce. Denn von dem großen TV-Experiment, das die Sendung eigentlich sein sollte, ist nicht mehr all zu viel übrig. Dafür gesorgt haben dabei vor allem der Privatsender selbst als auch die Produktionsfirma Talpa, die im schon verzweifelten Bemühen, aus der Show doch noch einen Erfolg zu machen, deren Glaubwürdigkeit immer mehr demontieren.

Die Bemühungen sind dabei durchaus verständlich. Der große Hype blieb von Anfang an aus, die Quoten rutschen immer mehr in den Keller und haben mittlerweile einen Punkt erreicht, an dem es für Sat.1 tatsächlich wehtun dürfte. Klar, dass Sat.1 und Talpa hier versuchen, dem entgegen zu wirken und das Interesse an "Newtopia" wieder zu steigern. Die Art und Weise scheint dagegen fast schon dilettantisch, denn sie machen nicht nur ihr eigenes Format kaputt, sondern vergraulen auch zunehmend die wenigen Fans, die "Newtopia" noch hat.

Schon im April sägten die Verantwortlichen am eigenen Stuhl. Nachdem sich die Pioniere weigerten, weiterhin zu nominieren, kam es zu Meetings mit der Produktion - was laut Regelwerk eigentlich ausgeschlossen war. Zunächst heimlich (eine Kamera übertrug die Besprechung versehentlich live ins Netz), dann ganz offen (nach harschen Kritiken) besprachen die Verantwortlichen den Fortgang der Show mit den Teilnehmern. Dabei kam offenbar nicht nur die Nominierungsfrage auf den Tisch, sondern auch die, wie "Newtopia" inhaltlich weitergehen kann, um wieder spannender zu werden.

Schon hier dürfte sich der Zuschauer veräppelt gefühlt haben, denn eigentlich sollten die Pioniere doch selbst ihre neue Gesellschaft erschaffen - mit Strategien zum Gelderwerb und eigenen Regeln. Doch offenbar zogen Sat.1 und Talpa im Hintergrund deutlich mehr Fäden, als gedacht.

Am Mittwoch kam es nun zum nächsten Skandal: Ex-Bewohner Candy, der wegen einem ausufernden Streit am Lagerfeuer vor gut vier Wochen der Show verwiesen wurde, ist wieder in der Scheune eingezogen. Dabei tönte Sat.1 bei seinem Rauswurf noch: "Nach den Ereignissen der vergangenen Nacht haben wir beschlossen, dass Candy nicht nach "Newtopia" zurückkehren wird." Candy hatte Diellza zuvor verbal heftig angegriffen und sie sexuell beleidigt. Daraufhin musste er seine Koffer packen und gehen.

Doch die Fragen des Anstandes, die Sat.1 hier gewahrt wissen wollte und Konsequenzen zog, scheinen nun nicht mehr wichtig zu sein. Denn offenbar ist der Quotendruck mittlerweile so groß, dass dem Sender Aufmerksamkeit um jeden Preis recht ist. Sat.1 begründete die Entscheidung mit einem Blitz-Voting, bei dem sich etwa 60 Prozent der rund 2000 Teilnehmer für die Rückkehr ausgesprochen haben. Dafür wurden auch die Regeln geändert, denn eigentlich war ein Wiedereinzug verboten.

Candy soll also wieder für Stimmung sorgen. Doch seine Mitstreiter waren davon nicht begeistert. Gleich sieben verließen daraufhin das "Newtopia"-Gelände, durften aber später zurück. Noch einen Massenauszug konnte man sich eh nicht leisten. Drei Pioniere gingen allerdings endgültig. Und auch die Zuschauer wurden vor den Kopf gestoßen: Mittlerweile gibt es bereits eine Petition, die den sofortigen Rauswurf Candys fordert. Rund 1030 Unterzeichner haben sich bereits gefunden. 1500 möchten die Initiatoren erreichen - was im Vergleich zu der Sat.1-Umfrage dann mehr wären, als für Candy Comeback gestimmt haben. Und da hat Sat.1 ja auch reagiert.

Was bleibt, ist das Bild eines Trümmerhaufens: Im verzweifelten Versuch die weitere Existenz von "Newtopia" zu begründen, verbiegt sich Sat.1 in alle Richtungen, um irgendwie Aufmerksamkeit zu generieren, die die Quoten pushen könnte. Klappen tut das nicht. Doch offenbar ist man in Grünwald immer noch nicht bereit, sich einzugestehen, dass man das große Experiment vor den Baum gefahren hat.