Vor ziemlich genau einem Jahr hat der ORF erstmals angekündigt, an einem Klassik-Portal zu arbeiten. Nun gibt es erste Infos zu dem Projekt, die ORF-Finanzchef Richard Grasl sowie Filmproduzent und Rechtehändler Jan Mojto (Unitel) am Donnerstag in Wien vorgestellt haben. Demnach soll das Klassik-Portal zum Jahreswechsel starten, eventuell noch 2015. ORF und Unitel peilen zunächst den deutschsprachigen Markt an, wollen langfristig aber die ganze Welt erobern.

Das Portal, dessen Namen Grasl und Mojto aus Gründen des Markenrechts noch nicht nennen wollen, basiert auf drei Säulen: Video on Demand, Live und einem 24-Stunden-Kanal. Letzteren betreibt Unitel mit Classica schon heute. Im Bereich Video on Demand soll es anfangs bis zu 1500 Stunden Klassikinhalte (also Opern, Konzerte usw.) zum Abruf geben. Im Live-Bereich sollen ausgewählte Highlights übertragen werden. Darüber hinaus soll die Produktion von Klassikinhalten insgesamt gesteigert werden.

Eigenständige Gesellschaft geplant
ORF und Unitel planen für das Klassik-Projekt mit einer Gesellschaft, an der beide Unternehmen zu jeweils 50 Prozent beteiligt sind. Allerdings wird kein neues Unternehmen gegründet, sondern eine bestehende ORF-Gesellschaft, die derzeit nicht operativ tätig ist, reaktiviert. Die Kartellbehörden müssen dem Vorhaben noch zustimmen.

„Nicht nur eine Abspielstation“
„Das Angebot wird nicht nur eine reine Abspielstation sein“, sagt Mojto. Für weitere Partner sei man offen, betonen sowohl ORF als auch Unitel. Grasl und Mojto machen aber auch klar, dass sie keine Zeit verlieren wollen. Mit vielen Orchestern und Festivals sei man bereits in „guten Gesprächen“, versichert Grasl.
Schon bekannt war, dass das Portal auf der Flimmit-Technologie basieren wird. So soll es dann auch auf allen gängigen Geräten genutzt werden können: Sowohl auf Smart-TVs, als auch auf Smartphones (iOS und Android) sowie Tablets. Auch via Apple TV, Chromecast und dem Amazon Fire-TV-Stick soll das Angebot abgerufen werden können.

20 Euro im Monat
Die endgültigen Preise, die Klassik-Fans am Ende zahlen müssen, stehen derzeit noch nicht zu 100 Prozent fest, betont Grasl, sagt aber auch, dass es wohl um die 20 Euro pro Monat werden. Mit einem kostenlosen Test-Abo können Interessierte das Angebot 30 Tage lang testen. Anders als etwa bei Flimmit soll man einmal zahlen und dann alle Inhalte (auch die Live-Übertragungen) sehen können.
Innerhalb der ersten drei Jahre erwarte man eine Abo-Anzahl im vierstelligen Bereich, wenn es gut läuft könnten es sogar mehr als 10.000 Abos werden. Im Großen und Ganzen sind das natürlich vergleichsweise geringe Zahlen. Daher werde das Portal zunächst auch „keinen großen Ergebnisbeitrag für die Häuser“ leisten, betont Grasl.

Neutrale Plattform
Doch die Partner verweisen auf das Potenzial: Der Classica-Ableger in Italien habe bereits 40.000 Abonnenten, sagt Mojto. Ein „paar hunderttausend“ Abos in Europa sind für ihn durchaus denkbar. Weltweit könnten sich gar Millionen für das Angebot interessieren. Sowohl Grasl als auch Mojto betonen die Vorteile ihrer Plattform: Man will sich als neutrales Angebot etablieren. Heißt: Kein Orchester wird gegenüber dem anderen bevorzugt, alle bieten ihre Inhalte unter einem neutralen Dach an. Dadurch habe man mehr Chancen am Markt als die vielen Einzelangebote der verschiedenen Klassikinstitutionen, sagt Mojto.

„Wir bieten Haute Couture an“
Wichtig ist dem Unitel-Geschäftsführer vor allem die hohe Qualität, mit der man produzieren will. „Wir bieten Haute Couture an“, sagt Mojto. Die oft im Klassik-Bereich vorherrschende „Internetqualität“ bei Aufzeichnungen soll verschwinden.
Dass sich der ORF mit Mojto und Unitel zusammentut, ist keine große Überraschung. Das Unternehmen ist der größte Produzent für Klassikinhalte weltweit. Zusammen mit dem ORF und seinen vielen Produktionen ist es nun möglich, ein umfassendes Klassik-Archiv zu schaffen. Der ORF selbst will das Projekt bei der nächsten Sitzung des Stiftungsrats im September zur Abstimmung vorlegen.