Ausstrahlungsdatum: Mittwoch, 23. Mai 2018, 22.55 Uhr, SRF 1

Die Bilder gingen um die Welt: Sowjetische Panzer im August 1968 in den Strassen von Prag. Sie machten die Hoffnungen des Prager Frhlings auf eine ffnung und Reformen zunichte. Viele Tschechoslowaken flchteten damals in die Schweiz. Was wurde aus diesen Menschen, die mit nichts in einem fremden Land ankamen? Wie haben sie von der Schweiz und wie die Schweiz von ihnen profitiert? DOK zeigt, wie drei von ihnen Fuss fassten. Irena Bren wurde eine beachtete Schriftstellerin, Jiř Dvořk ein international angesehener Neurologe und Jaroslav Krupička ein bekannter Eishockeyspieler. Ein Film von Helen Stehli Pfister.

Der Medizinstudent Jiř Dvořk und der junge Hockeyspieler der tschechischen A-Liga Jaroslav Krupička flohen nach Zrich, weil sie auf ein Leben in Freiheit hofften. Irena Bren emigrierte mit ihren Eltern, die beide unter dem kommunistischen Zwangssystem gelitten hatten, nach Basel. Dvořk wurde ein hchst erfolgreicher Neurologe und Chefarzt der FIFA (1994-2016), Krupička ein berhmter Eishockeyprofi, der zwei Jahre fr die Los Angeles Rangers und New York Sharks im Einsatz war. Anschliessend wechselte er zum SC Bern und holte dort in den 1970er-Jahren mehrmals mit seiner Mannschaft den Meistertitel. Irena Bren tat sich vorerst schwer mit dem Verlust ihrer slowakischen Heimat, Kultur und Sprache. Spter wurde sie Journalistin und Schriftstellerin. Fr ihren Roman Die undankbare Fremde erhielt die temperamentvolle Erzhlerin 2012 den Schweizer Literaturpreis.

Die Filmautorin hat als halbe Tschechin eine besondere Beziehung zu den tschechoslowakischen Flchtlingen von 1968. Sie geht den Fragen nach, wie diese damals die Invasion der Truppen des Warschauer Paktes in der CSSR und die Aufnahme in der Schweiz erlebten. Wie verlief ihre Integration, was war positiv, womit hatten sie Probleme? Die drei Filmprotagonisten profitierten von der im Kalten Krieg grossen Solidaritt der Schweizer Bevlkerung mit all jenen, die der kommunistischen Diktatur entflohen waren. Und sie profitierten von der damals hchst liberalen Schweizer Asylpraxis. Wie die meisten der 13000 Flchtlinge aus der Tschechoslowakei bekamen Irena Bren, Jiř Dvořk und Jaroslav Krupička sofort Asyl und wurden wie fast alle damaligen Flchtlinge nach einigen Jahren eingebrgert. Und doch war es nicht leicht, in einem fremden Land Fuss zu fassen und in der Emigration zu leben. Was verbinden sie heute mit dem Begriff Heimat, und wie unterscheidet sich ihr Schicksal von jenem der heutigen Flchtlinge?