Mit dem Prager Fenstersturz im Mai 1618 beginnt der Dreiigjhrige Krieg und damit der letzte groe Religionskrieg in Europa. Er weitet sich zu einem Flchenbrand aus, in dem machtpolitische und wirtschaftliche Interessen die Oberhand gewinnen. Nahezu alle europischen Mchte des damaligen Europa sind darin verwickelt. Erst als Millionen gestorben sind und der halbe Kontinent verwstet ist, kann im Westflischen Frieden (1648) eine neue Ordnung gefunden und auch das Zusammenleben von Europas Katholiken und Protestanten geregelt werden. Warum das Ringen um die Konfession zum Auslser eines solchen Gemetzels werden konnte, das Not und Elend ber das Land brachte, ist heute kaum mehr nachzuvollziehen.

Die zweiteilige kreuz und quer-Dokumentation Glauben, Leben, Sterben Menschen im Dreiigjhrigen Krieg von Stefan Ludwig lsst am Dienstag, dem 16. und 23. Oktober 2018, jeweils um 22.35 Uhr in ORF 2 fnf Menschen erzhlen, wie sie den Dreiigjhrigen Krieg erlebt und erlitten haben. Alle haben wirklich gelebt, Spuren und Zeugnisse hinterlassen und waren zugleich Opfer und Tter. Durch einen erzhlerischen Kunstgriff erzeugt der Film eine besondere Nhe zum historischen Geschehen: Eine Reporterstimme aus dem Off jene von Tatort-Star Adele Neuhauser stellt den historischen Figuren Fragen, und sie sprechen ber ihre Hoffnungen, ngste und berzeugungen, direkt in die Kamera. Kontrastiert werden diese Augenzeugenberichte aus der Vergangenheit mit Eindrcken einer Reise durch das heutige deutschsprachige Europa. Gibt es noch Spuren von dem Konflikt von einst? Wie steht es um den Glauben heute? Renommierte Experten wie der Politikwissenschafter Herfried Mnkler oder die Historiker Georg Schmidt und Christoph Kampmann analysieren den Konflikt von damals und fragen, ob der Dreiigjhrige Krieg uns etwas ber die Kriege unserer Zeit lehren kann. Das Dokudrama zum Dreiigjhrigen Krieg ist also nicht nur einem historischen Datum geschuldet, sondern schlgt den Bogen von der europischen Tragdie von vor 400 Jahren zu der Konflikten und Krisen heute.

Mit Streiten fr den Frieden folgt um 23.20 Uhr in ORF 2 ein Film von Michael Brauner und Christian Schller, der die Psychotherapeutin Evelyn Bhmer-Laufer und ihr Projekt Peacecamp begleitet eine Initiative, die Schlerinnen und Schler aus dem Nahen Osten nach sterreich holt, um miteinander zu reden, zu streiten, zu spielen und zu lachen.

Folge 1: Glaubenskampf 16. Oktober, 22.35 Uhr in ORF 2
Katholiken und Protestanten kmpfen gegeneinander der Dreiigjhrige Krieg (16181648) gilt als letzter groer Glaubenskampf in Europa. Doch so einfach ist es nicht: Wie in den Religionskonflikten unserer Zeit verbergen sich hinter scheinbarem Fanatismus politische, wirtschaftliche und geostrategische Interessen der Glaube wird zum Vorwand und Brandbeschleuniger. Drei ausgewhlte Biografien aus dem Dreiigjhrigen Krieg zeigen das.

Der Jesuit Jeremias Drexel, Hofprediger bei Herzog Maximilian von Bayern, ist ein katholischer Hardliner. Er ist bei der Niederwerfung des Prager Aufstands dabei. Doch spter gert er ins Zweifeln, dass der Krieg wirklich einer heiligen Mission dient.

Die Buerin Marta Kzinger lebt in einem evangelischen Dorf in Obersterreich. Als Zwanzigjhrige erlebt sie mit, wie ihr Land mit Gewalt katholisch gemacht werden soll. In einem Bauernaufstand verliert sie ihren Mann. Doch das Leid kann sie nicht brechen: Im Verborgenen gibt sie ihren Glauben weiter und trgt so dazu bei, dass es in sterreich bis heute Protestanten gibt.

Und schlielich der Prager Kaufmann Hans de Witte einer der groen Financiers der kaiserlichen Feldzge. Durch ein ausgeklgeltes Kreditsystem ermglicht er den Aufstieg des Feldherrn Wallenstein. Das Pikante daran: De Witte ist Calvinist und gehrt somit einer Konfession an, die der Kaiser berall im Reich verfolgen lsst.

Fr Experteninterviews konnten unter anderem der Politologe Herfried Mnkler und die Historiker Christoph Kampmann und Georg Schmidt gewonnen werden. Dabei wird auch der Bogen in die Gegenwart geschlagen: Ist der Dreiigjhrige Krieg, dieses Knuel aus Staatenkriegen, Aufstnden und Glaubenskmpfen, mit der heutigen Situation im Nahen Osten vergleichbar? Erlebt die islamische Welt eine hnliche Urkatastrophe wie damals Europa?

Die Produktion entstand als Koproduktion von ORF, BR, MDR, SWR, Metafilm und Bundesministerium fr Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF), untersttzt von Fernsehfonds Austria, Filmfonds Wien, Kultur Niedersterreich; mit Dank an Burg Kreuzenstein, Weinviertler Museumsdorf Niedersulz GmbH.

Streiten fr den Frieden Ein Film von Michael Brauner und Christian Schller (23.20 Uhr)
Wenn Evelyn Bhmer-Laufer ihre Kinder um sich sammelt, kann es manchmal recht heftig zugehen denn es ist ihr wichtig, dass jede und jeder offen ausspricht, was er oder sie denkt. Die jungen Leute, die sie einmal im Jahr betreut, kommen aus verschiedenen Lndern und Kulturen. Fix dabei sind auch arabische und jdische Jugendliche aus Israel. Die Psychotherapeutin hat vor 15 Jahren damit begonnen, Schlerinnen und Schler aus dem Nahen Osten nach sterreich zu holen, um miteinander zu reden, zu streiten, zu spielen und zu lachen. Peacecamp nennt sie ihr Projekt. Frieden setzt nicht voraus, dass man einer Meinung ist, meint sie. Wichtig sei es, dass man lerne, Differenzen offen auszutragen, statt sich mit seinen Vorurteilen abzukapseln.

Die jdischen Jugendlichen interessieren sich nicht fr unsere Probleme, hat die 17-jhrige Banan Battah aus Nazareth vor dem Peacecamp gemeint. Araber machen 20 Prozent der israelischen Staatsbrger aus. Nazareth ist die grte arabische Stadt in Israel. Die nchste jdische Stadt liegt nur wenige Kilometer entfernt. Doch die Lebenswelten beider Gruppen berschneiden sich kaum.

Auch Nir Lan ist 17. Er lebt mit seinen politisch liberalen Eltern eine halbe Autostunde von Nazareth entfernt. Auch er kommt im Alltag kaum mit gleichaltrigen Arabern in Kontakt. Was die andere Seite denkt, kennen er und seine Eltern nur aus den Medien. Doch das war Nir zu wenig, und so hat er sich, ebenso wie Banan, ins niedersterreichische Lackenhof aufgemacht, um dort mit anderen Jugendlichen zu diskutieren.

Mit einem Team von Lehrern und Psychotherapeuten schafft Evelyn Bhmer-Laufer den Jugendlichen einen Raum, in dem sie einander nicht nur kennenlernen knnen. Es geht vor allem darum, zu lernen, seine Meinungen auszudrcken und die Meinungen anderer zu hren. Auch wenn die Aussicht auf einen Frieden im Nahen Osten nicht gut steht. Andere verstehen zu lernen ist das gemeinsame Ziel.

Vor dem Peacecamp habe er Schulkollegen oft schnell abgestempelt, sagt Nir. Der erste Blick habe oft schon gengt. Doch auf dem Peacecamp habe er gelernt, wie wichtig es sei, zuerst einmal in Kontakt zu kommen. Besonders mit Menschen, die einen irritieren.