Ich persnlich habe keine Angst vor dem Sterben, formulierte der New Yorker Filmemacher Woody Allen einmal, ich will nur nicht dabei sein, wenn es so weit ist. Dass das Dasein endlich und der Tod unausweichlich ist, dass alle Menschen ein Sein zum Tode fhren (Martin Heidegger), erfllt viele mit Angst und Schrecken. Kann man diesen Schrecken lindern? Lsst sich die Kunst des Sterbens lernen? Und wie gehen Menschen mit der Unausweichlichkeit des Todes um, die sich beruflich oder ihrer Berufung wegen mit dem Thema auseinandersetzen mssen? Auf diese Fragen sucht Gnter Kaindlstorfers kreuz und quer-Dokumentation Letzte Hilfe Leben heit Sterben lernen am Dienstag, dem 22. Oktober 2019, um 22.35 Uhr in ORF 2 nach Antworten.

Danach macht sich die Journalistin Lena Ganschow in Andreas Sawalls Dokumentation Die Suche nach dem Paradies (23.10 Uhr) auf die Suche nach dem Paradies in der Gegenwart und der Vergangenheit. Und sie findet Erstaunliches heraus. Im anschlieenden TV-Drama Die letzte Reise (0.00 Uhr) von Florian Baxmeyer beeindruckt Christiane Hrbiger als Seniorin, die nach einem ereignisreichen und glcklichen Leben ihren Tod selbst bestimmen will.

Letzte Hilfe Leben heit Sterben lernen Ein Film von Gnter Kaindlstorfer
Thanatologe Martin Prein aus Linz, ein bodenstndiger Mensch mit Hausruckviertler Wurzeln, ist als Sterbeexperte und Notfallpsychologe ttig. Prein hat in jungen Jahren u. a. als Bestatter gearbeitet. Heute bert er Institutionen wie das Rote Kreuz und die Angestellten von Hospizen und Krankenhusern ber den richtigen Umgang mit dem Thema Tod. Immer wieder veranstaltet Prein auch sogenannte Letzte-Hilfe-Workshops. Die Kamera begleitet den Thanatologen zu Orten wie der Feuerbestattung Obersterreich, dem ersten CO2-neutralen Krematorium sterreichs, aber auch auf den St.-Barbara-Friedhof in Linz, wo Prein im Gesprch mit dort arbeitenden Menschen ber die letzten Dinge philosophiert.

Ingrid Mohr, katholische Begrbnisleiterin aus Schwechat, setzt sich seit 2013 als Begrbnisleiterin des Dechanats Schwechat mit der Trauer der Hinterbliebenen auseinander. Sie fhrt seelsorgerliche Gesprche, legt gemeinsam mit den Angehrigen die Eckpunkte von Begrbnisfeiern fest und leitet diese Feiern. Der Tod ist immer ein Skandal, resmiert die 53-Jhrige, vor allem, wenn Kinder oder junge Menschen betroffen sind, aber auch bei lteren Verstorbenen tut man sich mit dem Abschiednehmen oft schwer. Ingrid Mohr ermutigt Hinterbliebene dazu, dem Schock des Todes und der Trauer nicht auszuweichen: Ich finde, man soll keine Scheu davor haben, Tote anzuschauen und anzufassen, man muss den Tod eines Menschen realisieren, um wirklich Abschied nehmen zu knnen. Das ist natrlich oft schmerzhaft. Aber just diesen Schmerz, so meint die Pastoralassistentin des Dechanats Schwechat, gelte es auszuhalten.

Der renommierte Theologe Gisbert Greshake ist berzeugt: Leben ist immer schon sterben zunchst schlicht im physikalisch-medizinischen Sinn, weil schon das Absterben und neue Entstehen von Krperzellen das Vergehen und Werden deutlich machten, aber auch im ganz personalen Leben: Lieben ist, wenn Liebe ernst gemeint ist, ein Stck Sterben: Ich muss mein kleines egoistisches Ich weggeben, um offen zu werden fr den anderen, und dann im anderen und durch den anderen durch die Liebe des anderen mich neu zu gewinnen aufzuerstehen in gewisser Weise. Leben ist ein Stck Sterben. Mit seinen 86 Jahren sei ihm voll bewusst, dass ich nicht mehr lange Zeit habe. Er ordnet bereits seinen Nachlass und verschenkt Dinge, um anderen spter Arbeit zu ersparen das ist fr mich das Natrlichste von der Welt. Ich sage immer: Ich lebe wirklich gern, und ich habe ein wunderbares Leben gehabt im Rckblick. Aber gerade, weil ich gern lebe, sage ich auch Ja zum Tod, der Tod gehrt zum Leben. Er bemhe sich, ein glaubender Mensch zu sein. Eine Grunderfahrung fr ihn war im Alter von fnf Jahren das Sterben seiner Gromutter, das er miterlebte es war eine positive Erfahrung des Abschiednehmens. Als Christ lebe er aus der Hoffnung, dass der Tod nicht Abbruch, Ende und Vernichtung des Seins, sondern das Tor zur Flle des Lebens bei Gott sein werde.

Felix Htten, Autor des Buches Sterben lernen, arbeitet als Wissenschaftsjournalist fr die Sddeutsche Zeitung. Im Hanser-Verlag hat der studierte Mediziner vor Kurzem das Buch Sterben lernen herausgebracht. Der Tod hat mich ein Leben lang begleitet, konstatiert der 32-jhrige Htten, als Sanitter auf der Strae, als Medizinstudent im Leichenkeller, als Journalist in meinen Texten, oft in meinem Kopf. Mich fasziniert das Sterben in gewisser Hinsicht, denn es ist ein erstaunliches Programm des Krpers, das wir alle in uns tragen. Fr die Arbeit an seinem Buch hat Htten Sterbende beim Prozess des Abschiednehmens begleitet. Manche tun sich schwer, das Leben loszulassen, wei er: Mitunter hilft es, wenn Angehrige zum Sterbenden sagen: ,Du darfst gehen. Denn manchmal braucht es genau das: eine Art Erlaubnis, nicht mehr weiterkmpfen zu mssen. Das hilft dann auch den Angehrigen. Viele sagen hinterher, sie seien froh, dass der Verstorbene es endlich ,geschafft hat.

So unterschiedlich die Zugnge von Martin Prein, Ingrid Mohr, Gisbert Greshake und Felix Htten zum Thema Tod und Abschied auch sein mgen, einig sind sich alle drei in ihrer Wertschtzung des Philosophen Michel de Montaigne. Der hat erkannt: Leben heit sterben lernen.

Die Suche nach dem Paradies Ein Film von Andreas Sawall
Gibt es das Paradies auf Erden? Und wenn ja, wo liegt es? Fest steht, es gilt als Ort des vollkommenen Glcks: in der Werbung, als Reiseziel oder als Versprechen in den Religionen.

1903 gibt es am kaiserlichen Hof in Berlin einen Skandal, der weltweit fr Aufsehen und Diskussionen sorgt. Friedrich Delitzsch, Professor fr Assyriologie und semitische Sprachen, Mitbegrnder und Direktor der Deutschen Orient-Gesellschaft, behauptet: Die Paradies-Erzhlung der Bibel geht auf ltere, babylonische Quellen zurck. Das war Gotteslsterung denn was heute Wissenschaft und Theologie gleichermaen als selbstverstndlich ansehen, durfte damals nicht sein. Ein ganzes Jahrzehnt beschftigt dieser sogenannte Babel-Bibel-Streit Theologen, Wissenschafter und die Presse. Besonders pikant: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. persnlich ist involviert. Von ihm hngt es ab, ob das Paradies eine gttliche Offenbarung oder menschliche Erfindung ist.

Der italienische Historiker und Theologe Alessandro Scafi hat entdeckt, dass auf alten Weltkarten immer wieder das Paradies als ganz konkreter Ort eingezeichnet ist. Stets auf jenen sogenannten weien Flecken der Erde, die bis dahin noch nicht erforscht waren. So wanderte das Paradies bis auf den amerikanischen Kontinent und sogar zum Nordpol. Glaubten die Menschen also an ein konkretes Paradies auf Erden? Wie sieht das Paradies im Islam aus?

Bekannt sind die paradiesischen Versprechungen, die den Selbstmordattenttern und ihren Angehrigen gemacht werden, ohne Umweg ins Paradies zu kommen, in dem alle Wnsche fr jeden Mann und jede Frau erfllt werden. Tatschlich hofft jede Muslima und jeder Muslim auf ein Leben im Paradies nach seinem Tod. Dafr muss ein streng gottgeflliges Leben auf Erden gefhrt werden. Die Bilder des muslimischen Paradieses sind: sattes Grn, Wasserflle und Blumen, eine liebliche Landschaft, die alle Plackerei auf Erden vergessen lsst.

Der niederlndische Anthropologe und Biologe Carel van Schaik (Autor von Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel ber unsere Evolution verrt) ist berzeugt, dass es das Paradies auf Erden gab und zwar vor der Sesshaftwerdung des Menschen. Die wird zum Sndenfall, denn solange die Menschen Nomaden waren, lebten sie angeblich im Einklang mit der Natur und Schpfung.

Auf ihrer Suche nach dem Paradies trifft Lena Ganschow Historiker/innen, Anthropologinnen und Anthropologen, Mediziner/innen sowie Theologinnen und Theologen in ganz Europa. In aufwendigen Reenactments werden der Babel-Bibel-Streit zwischen Friedrich Delitzsch und der Gesellschaft am Hofe Kaiser Wilhelms II. inszeniert. Weitere Spielszenen visualisieren die neuen Erkenntnisse ber die babylonischen Wurzeln der Geschichte von Adam und Eva im Garten Eden.