Die österreichische Medienanstalt ORF hat ihren umstrittenen Smartcard-Tausch laut Medienberichten auf das erste Quartal 2010 verschoben.

Wie die Tageszeitung "Der Standard" (Montag) berichtete, sollen über 100.000 Karten für den Satellitenempfang entgegen bisherigen Planungen nicht mehr in diesem Jahr, sondern im ersten Quartal 2010 ersetzt werden. Dabei handelt es sich um 2003 und 2004 ausgegebene Karten für das inzwischen abgelöste Cryptoworks-System, die aus Sicherheitsgründen nach Ablauf von fünf Jahren aus dem Verkehr gezogen werden.

Kritik hatte im Vorfeld die Ankündigung des ORF ausgelöst, Kunden müssten für die Austauschkarte 27 Euro zahlen. Die rechtspopulistische BZÖ hatte in einer Stellungnahme von "modernem Raubrittertum" gesprochen. Ein Gratis-Kartentausch sei nicht möglich, weil der ORF die Karten selbst bezahlen müsse, verteidigte ein Sprecher des Senders das Prozedere. Der ORF erhalte lediglich 22 Euro. Das sei "gerade kostendeckend". Einen Finanzierung aus Gebührengeldern scheitere dagegen am Gesetz. Damit würden Kabel- und DVB-T-Zuschauer benachteiligt.

Der öffentlich-rechtliche Sender begründet die über Satellit vollzogene Verschlüsselung mit fehlenden Lizenzrechten für Spielfilme, Serien und Live-Sport außerhalb der Landesgrenzen. Aus diesem Grund werden die für den Empfang benötigten Smartcards für Digital-Receiver nur an österreichische Staatsbürger, die als Gebührenzahler registriert sind, ausgegeben. Für Zuschauer in Resteuropa wird mit ORF 2 Europe ein unverschlüsseltes Programm veranstaltet. Deutsche Zuschauer gelangen oft über Versandhändler oder Internet-Auktionen in den Besitz der ORF-Smartcards und bewegen sich damit rechtlich in einer Grauzone.