Der Münchner Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 steht möglicherweise vor einem gravierenden Strategiewechsel. Einem Medienbericht vom Mittwoch zufolge plant die Senderfamilie langfristig Nutzungsgebühren für die Programme von ProSieben, Sat.1 und Kabel1.
"Die Richtung ist für uns klar: Wir müssen vom Werbemarkt unabhängiger werden", sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Mittwoch). Ein solcher Prozess sei jedoch nur in vielen kleinen Schritten realisierbar. Für die Zukunftsfähigkeit des Konzerns sei es enorm wichtig, Beziehungen zu den Endkunden aufzubauen, etwa über Pay-TV, Video-on-Demand oder andere Geschäftsmodelle, so Ebeling.
Eine Möglichkeit seien Nutzungsgebühren. Bis 2014 strebe der TV-Verbund an, rund 30 Prozent seiner Einnahmen außerhalb der Werbung zu erzielen. Im vergangenen Jahr hatte ProSiebenSat.1 einen Verlust von 129 Millionen Euro verbucht. Für die werbefinanzierten HD-Sender der Kette will ProSiebenSat.1 über die "HD+"-Plattform von SES Astra bereits mitkassieren.
Als erfolgreiches Beispiel für die neue Strategie nannte Ebeling Dänemark. Dort sei der Senderverbund mit einem ähnlichen Bezahl-Modell erfolgreich. Unabdingbar seien jedoch zugkräftige Sendungen. Darüber hinaus will ProSiebenSat.1 dem Bericht zufolge eine eigene Fernsehproduktion aufbauen. Ende September hatte das Unternehmen bereits einen Vertrag mit dem niederländischen TV-Produzenten Dick de Rijk ("Deal or No Deal") abgeschlossen.
Der frühere RTL-Chef Helmut Thoma kritisierte die Pläne und bezeichnete sie als Rückschritt. Kreativität sei nicht auf Knopfdruck zu bekommen, sagte er dem "Handelsblatt". Am 5. November wird ProSiebenSat.1 die Kennzahlen für das dritte Quartal vorlegen.




Reply With Quote