Die Verschlüsselung der privaten Fernsehsender in einigen Kabelnetzen hat auf der so genannten „Elefantenrunde“ der ANGA Cable zu einer heftigen Debatte geführt. Es könne nicht sein, dass die Digitalisierung zu einer digitalen Belastung der Verbraucher führt, kritisierte Lutz Freitag, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. „Die Zwangsverschlüsselung ist eine fatale Entwicklung“, betonte er. Sollte es nicht zu einer Selbstverpflichtung der Kabelnetzbetreiber kommen, werde sein Verband eine gesetzliche Regelung fordern. Die Verschlüsselung sei ausgesprochen gefährlich und eine große Fehlentwicklung, die die Digitalisierung in den Kabelnetzen hemme, kritisierte der GdW-Präsident. Hintergrund: Aktuell empfangen nur rund ein Drittel der Kabelhaushalte digitales Fernsehen.
Herbert Leifker, Geschäftsführer von Unitymedia, verteidigte die Verschlüsselungs-Strategie seines Unternehmens. Die Verträge mit den Privaten sähen eine „Grundverschlüsselung“ vor. „Ansonsten würden wir die Inhalte nicht übertragen können“, argumentierte er mit Verweis auf den Urheberschutz. Nur so seien zudem Schwarzseher wirkungsvoll auszuschließen. Auch Adrian von Hammerstein, Chef von Kabel Deutschland, bekräftigte, bei der „Grundverschlüsselung“ bleiben zu wollen.
Netcologne-Chef Werner Hanf, dessen Unternehmen die privaten Sendergruppen RTL und Pro Sieben Sat 1 digital unverschlüsselt einspeist (wie im Übrigen auch Kabel BW), lehnt diese Haltung ab. „Die Grundverschlüsselung ist gegen die Interessen des Endkunden“, erklärte er. Netcologne wehre sich entschieden dagegen. „Ansonsten bremsen wir uns selbst aus“, sagte er. „Wenn wir uns so verhalten, werden wir austauschbar für Satellit und IPTV“, warnte er die Kabelbranche.
Dass RTL und Pro Sieben Sat 1 bei KDG, Unitymedia & Co. digital nur verschlüsselt verbreitet werden, ist bereits Gegenstand von Untersuchungen des Bundeskartellamts. Auch die umstrittene Boxenpolitik der großen Kabelnetzbetreiber wird von den Wettbewerbshütern auf ihre Zulässigkeit geprüft.




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