Die beiden größten Fernsehkonzerne in Deutschland sind aufgrund fragwürdiger Praktiken bei der geplanten Verschlüsselung von Free-TV-Sendern erneut ins Visier der Wettbewerbshüter geraten.
Beamte des Bundeskartellamts durchsuchten am Mittwoch zeitgleich Räume von ProSiebenSat.1 in Unterföhring und RTL in Köln, erklärten Sendersprecher am Abend und bestätigten damit einen Bericht des Magazins "Focus". Eine Sprecherin der Behörde sagte dem Magazin, dass die Durchsuchungen mit richterlichem Beschluss durchgeführt worden seien.
Es gehe um den Verdacht, die Sender hätten sich abgesprochen, digitale Free-TV-Programme nur noch verschlüsselt und gegen zusätzliches Entgelt zugänglich zu machen, hieß es.
Außerdem befinden sich technische Maßnahmen im Visier der Kartellwächter, die die Nutzung des Programms beschränken, nämlich Kopierschutzfunktionen und Werbeblocker.
Unklar blieb zunächst, ob von den Untersuchungen auch die Astra-Plattform "HD+" betroffen ist, über die die hochauflösenden kommerziellen Programme nebst Restriktionen ausgestrahlt werden.
Digitale Free-TV-Programme verschlüsselt
Auch über Kabelnetzbetreiber sind die digitalen Free-TV-Programme in regulärer Qualität von RTL, Vox, RTL2, ProSieben, Sat.1 und Kabel1 nur verschlüsselt zu sehen. In Zukunft soll der Schnittstellen-Standard CI+ bei Receivern und Fernsehern eingeführt werden, der den Sendern technische Blockade-Möglichkeiten einräumt.
ProSiebenSat.1 und RTL befanden sich bereits vor drei Jahren im Visier von Staatsanwaltschaft und Kartellamt. Damals ging es um die Vermarktung von Werbezeiten, die Ermittlungen wurden gegen Zahlung einer Rekordbußgeldsumme eingestellt.
"Wir kommentieren das laufende Verfahren nicht"
Ein Sprecher der Mediengruppe RTL Deutschland sagte am Abend der Nachrichtenagentur dpa, dass das Amt seit längerem zum Thema der Programmverbreitung ermittle. "Darüber hinaus kommentieren wir das laufende Verfahren nicht." Auch ein Sprecher von ProSiebenSat.1 bestätigte die Durchsuchung, wollte aber ebenfalls keine Einzelheiten nennen.




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