Trotz massiver Proteste von Verbraucherschutzverbänden darf die BBC in Zukunft ihre digitale terrestrische HDTV-Ausstrahlungen in Großbritannien mit einem Digital Rights Management System schützen. Das beschloss nach Angaben der Tageszeitung "The Guardian" (Dienstag) die Regulierungsbehörde Ofcom.
Das von der BBC, Channel4 und ITV schon länger avisierte System sieht die Einführung eines sogenannten Copybits beim Empfang hochauflösender Inhalte über die Plattform "Freeview" vor: Entsprechend geschützte Ausstrahlungen per DVB-T2 können künftig nur noch von Geräten aufgezeichnet werden, deren Hersteller den kostenlos angebotenen Algorithmus integrieren. Damit soll unter anderem die verlustfreie digitale Archivierung auf externe Blu-ray- und DVD-Rekordern eingeschränkt werden. das gilt auch bei den gerade neu eingeführten Panasonic-DVB-T2-Rekordern mit Blu-ray-Brenner und Festplatte. Eine Kopie ist immer möglich, mehrere allerdings nicht. Alle bestehenden Settop-Boxen sollen per Software-Update kastriert, neue direkt mit eingeschränktem Funktionsumfang ausgeliefert werden. Lizenzgebühren werden für die Hersteller nicht fällig. Eine Verschlüsselung wird es auch weiter nicht geben.
Das Copybit war erst im vorvergangenen Jahr auf dem größten Fernsehmarkt der Welt in den USA endgültig gescheitert, weil es als innovationsfeindlich und verbraucherunfreundlich gilt - unter anderem hatte sich der mächtige Verband Consumer Electronics Association (CEA) dagegen ausgesprochen.
Kein Wunder also, dass die Kritik an der Einführung der Technik auf der Insel nicht lange auf sich warten ließ: "Das ist ein ernsthafter Schlag für Gebührenzahler, die in Zukunft gezwungen werden, teurere Geräte zu kaufen, die weniger können", sagte Jim Killock von der Verbraucherschutzorganisation Open Rights Group (ORG) dem "Guardian". Die Ofcom habe ihre eigentliche Aufgabe, die Interessen der Zuschauer zu schützen, auf dem Altar der Wirtschaftsinteressen geopfert. Eine Mitteilung der Behörde steht noch aus.
Nach Darstellung der BBC wird ein DRM-Mechanismus von den Lizenzpartnern in der Film- und Produktionsbranche verlangt. Andernfalls sei der "Signalschutz" nicht gewährleistet und die Ausstrahlungen müssten eingestellt werden. Das gelte insbesondere für zugekaufte US-Inhalte, die auch auf den HDTV-Sendern von ITV und Channel4 in großer Zahl verbreitet werden, hieß es in der Vergangenheit gebetsmühlenartig. Tatsächlich ist dies immer Verhandlungssache. Regel: Je verbraucherfreundlicher, desto teurer ist die Lizenzware.
Ein Großteil der Sendungen sei von der umstrittenen Maßnahme nicht betroffen, beschwichtigt die BBC - z.B. eigen produzierte Serien, Dokumentationen und Sport. Entsprechende Einschränkungen gibt es schon länger bei der populären iPlayer-Mediathek, bei der zugekaufte Produktionen zum Teil nur als Stream, nicht aber als Download verfügbar sind.
Die hochauflösenden Ausstrahlungen von BBC, ITV und Channel4 werden seit Dezember schrittweise auf ganz Großbritannien ausgedehnt und sollen bis Ende dieses Jahres eine technische Abdeckung von mehr als 60 Prozent der Bevölkerung erreichen.







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