MTV wandert ins Pay-TV ab – Neue HD-Kanäle kurzfristig verfügbar
Digitalmagazin im Gespräch mit Stefan Liebig, Vice President Distribution & Affiliates North & Germany bei MTV Networks

Der Musiksender MTV wechselt zu Jahresbeginn ins Pay-TV. „Wir gehen von einer wachsenden Bedeutung der digitalen Geschäftsmodelle aus und haben uns dazu entschlossen, massiv in diesen Bereich zu investieren, indem wir die Marke MTV künftig im Pay-TV stattfinden lassen“, begründet MTV-Manager Stefan Liebig diesen Schritt. Entscheidend sei ein ausgewogener Mix aus Pay-TV und Free-TV, letzteres gilt bei MTV Networks weiterhin als wichtiges Standbein. „Viva und Nickelodeon/Comedy Central werden weiter ausgebaut“, betont Liebig im Digitalmagazin-Interview. Gleichzeitig kündigt er einen Ausbau der HDTV-Verbreitung an. „Ich gehe davon aus, dass unsere Hauptkanäle MTV, Viva und Nickelodeon/Comedy Central bereits kurzfristig als HD-Simulcast verfügbar sein werden.“

Digitalmagazin: Herr Liebig, zum Jahreswechsel endet eine Ära. MTV zieht sich aus dem Free-TV zurück und wird als Pay-TV-Sender vermarktet. Welche Gründe haben dazu geführt, welches Ziel verfolgen Sie damit?

Liebig: Der stetige Wandel und insbesondere die Digitalisierung der Medien führen auch zu einer Anpassung, bzw. Digitalisierung der Geschäftsmodelle. Reine Free-Modelle werden bei diesem Wandel in Summe an Bedeutung verlieren und zumindest mischfinanzierte Angebote werden im Gegenzug an Bedeutung gewinnen. Wichtige Zugpferde sind dabei die Qualität der Inhalte und die Marke, unter der die Inhalte angeboten werden. Wir gehen von einer wachsenden Bedeutung der digitalen Geschäftsmodelle aus und haben uns dazu entschlossen, massiv in diesen Bereich zu investieren, indem wir die Marke MTV künftig im Pay-TV stattfinden lassen. Entscheidend für den Erfolg eines Portfolios ist der ausgewogene Mix und entsprechend ist neben dem Pay-Bereich natürlich das Free-TV weiterhin ein wichtiges Standbein. Viva und Nickelodeon/Comedy Central werden weiter ausgebaut. Insofern sehen wir in unserem Schritt nicht das Ende einer Ära, sondern mit dem klaren Bekenntnis zum digitalen Wandel vielmehr den Beginn einer neuen.

Digitalmagazin: In den 1990er Jahren hat MTV einen solchen Schritt schon einmal unternommen – und kehrte dann doch ins Free-TV zurück. Wird sich diese Geschichte wiederholen?

Liebig: Wir verstehen uns zwar als Trendsetter, aber in den 90ern waren wir tatsächlich etwas zu früh dran. Die Situation heute ist mit der vor über zehn Jahren nicht vergleichbar. Damals stand noch keine ausreichende Infrastruktur für die flächendeckende Vermarktung von Pay-TV zur Verfügung. Es gab nur DF1, den Vorläufer des heutigen Sky, und die deutschen Fernsehhaushalte hatten fast keinen digitalen Programmempfang. Dies stellt sich heute völlig unterschiedlich dar. Tatsächlich ist digitales Fernsehen per Kabel in jedem Haushalt verfügbar, der analoge Satellit wird bis April 2012 im Prinzip vollständig „abgeschaltet“ sein und neue Infrastrukturen wie z. B. DSL sind per se digital. Auf diesen digitalen Infrastrukturen haben sich zahlreiche Anbieter etabliert, in der Regel die Infrastrukturbetreiber selbst, die Pay-TV-Pakete anbieten. Oft sind diese Pay-Angebote im Rahmen von preislich sehr attraktiven Triple-Play-Angeboten enthalten und die Kabel- und Plattformbetreiber sind dabei sehr erfolgreich in der Vermarktung. Wir sind bereits seit Jahren mit zahlreichen Pay-TV-Sendern aus unserem Haus auf fast allen Pay-TV-Plattformen im deutschen Markt vertreten und stellen hier ein stetiges und starkes Wachstum der Abonnentenzahlen fest.

Digitalmagazin: Der hochauflösende Ableger MTVN HD wird in Deutschland derzeit bei Kabel BW und der Telekom verbreitet. Ein Vermarktungsstart via Satellit steht allerdings noch aus. Wann wird es soweit sein?

Liebig: Wie auch im Hinblick auf unsere anderen Sender, so sind wir für MTVN HD an einer bestmöglichen Verbreitung, idealerweise auf allen Plattformen, interessiert. Kurzfristig gibt es keine Vermarktung von MTVN HD für Satellitendirektempfangshaushalte. Entsprechende Kundenwünsche nach bestimmten Sendern nehmen die Plattformbetreiber sicherlich gerne entgegen.

Digitalmagazin: Inwiefern erwägen Sie mittelfristig den Start weiterer HD-Sender?

Liebig: Wir werden unser HD-Angebot mit der entsprechenden Marktnachfrage weiter ausbauen. Ich gehe davon aus, dass unsere Hauptkanäle MTV, Viva und Nickelodeon/Comedy Central bereits kurzfristig als HD-Simulcast verfügbar sein werden.

Digitalmagazin: Zum Jahreswechsel wird es mit „MTV Brandnew“ zudem einen weiteren Pay-TV-Kanal aus Ihrem Hause geben. Was wird dort zu sehen sein?

Liebig: MTV Brandnew komplettiert unsere neue MTV-Senderstrategie für den deutschsprachigen Markt. Während es auf MTV einen ausgewogenen Mix aus Musik und Serienformaten gibt, präsentiert MTV Brandnew 24 Stunden am Tag die aktuellsten Charttrends Deutschlands, ohne Werbeunterbrechungen und ohne Serienformate.

Digitalmagazin: MTV Entertainment dagegen wird eingestellt. Warum verabschieden Sie sich von dem Sender?

Liebig: MTV Entertainment war unser First-Run-Sender, auf dem alle MTV-Erstausstrahlungen im Pay-TV liefen. Mit dem Wechsel von MTV vom Free-TV ins Pay-TV nimmt MTV sozusagen die Position von MTV Entertainment ein.

Digitalmagazin: Welche Funktion übernimmt das Programm Viva, das weiter im Free-TV verbreitet wird?

Liebig: Viva ist neben Nickelodeon/Comedy Central unser starkes Standbein im Free-TV. Auf diesen Sendern bieten wir ein reichweitenstarkes Programm an, welches primär durch Werbeumsätze refinanziert wird. Gleichzeitig nutzen wir diese Sendefläche, um auf unser reichhaltiges Pay-TV-Angebot hinzuweisen, wo wir ein zielgruppenspezifisches Spartenangebot betreiben. Neben MTV und dem neuen MTV Brandnew betreiben wir ja auch noch die Sender MTVN HD, NickToons, Nick Jr., VH1, VH1 Classic, MTV Hits, MTV Dance, MTV Rocks und MTV Music.

Digitalmagazin: Herr Liebig, vielen Dank für das Gespräch.