In Belgien könnte es zu einer europaweiten Premiere bei der Neuordnung des Kabelmarkts kommen: Die vier belgischen Regulierungsbehörden für audiovisuelle Medien und Kommunikationstechnologien haben vorgeschlagen, das Monopol der Kabelnetzbetreiber aufzuheben. Dies berichtet die Zeitung „Grenz-Echo“ (Ausgabe vom 21. Dezember). Eine Marktanalyse habe ergeben, dass auf dem belgischen Kabelmarkt zu wenig Konkurrenz herrsche und die Betreiber verpflichtet werden müssten, ihr Netz anderen Anbietern zur Verfügung zu stellen. Davon betroffen seien Telenet in Flandern, Brutele in Brüssel und Tecteo in der Französischen und Deutschsprachigen Gemeinschaft, schreibt das „Grenz-Echo“.

Der Vorstoß hätte beispielsweise zur Folge, dass Tecteo dazu verpflichtet wird, sein Netz auf dem Gebiet deutscher Sprache jedem Betreiber auf Anfrage gegen Bezahlung zur Verfügung zu stellen – so wie es bei Telekomanbietern wie Belgacom bereits üblich ist. „Dem Medienrat war seit geraumer Zeit daran gelegen, dem Kabelnetzbetreiber in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Konkurrenz zu schaffen, da sich einerseits die Beschwerden über schlechten Empfang und Preiserhöhungen häuften und andererseits auf dem analogen Fernsehmarkt kein anderer Anbieter fand, zu dem der Verbraucher hätte wechseln können“, zitiert die Zeitung den Präsidenten des Medienrats, Yves Derwahl. Von ihrer Initiative erhoffen sich die Regulierer nun Preissenkungen für die Verbraucher, eine größere Auswahl zwischen den Fernsehanbietern und ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis. Die belgischen Kabelnetzbetreiber können bis zum 18. Februar 2011 auf das Gutachten reagieren, danach soll über die Öffnung des Kabelmarktes entschieden werden. Noch bleibe aber abzuwarten, wie schnell eine Liberalisierung tatsächlich vollzogen werden kann – vor allem in technischer Hinsicht. In Europa gebe es zurzeit kaum oder überhaupt keine Beispiele einer Öffnung des Kabelnetzes, u. a. weil die EU keine fragende Partei dafür ist, schreibt das „Grenz-Echo“ abschließend.