Das ZDF hat am Dienstagvormittag offiziell den Zuschlag für die Live-Übertragung der UEFA Champions League ab der Saison 2012/2013 bestätigt. Der bisherige Übertragungspartner Sat 1 geht ab der nächsten Spielzeit der europäischen Königsklasse leer aus.
Der Vertrag beinhaltet die Übertragung von einem Livespiel pro Spieltag, tagesaktuelle Zusammenfassungen anderer Spiele sowie die Qualifikationsspiele und den UEFA Super Cup, wie die Pressestelle des Senders am Mittwoch mitteilte. Intendant Markus Schächter sagte, UEFA und ZDF würden "als Doppelspitze" mit der Champions League besten europäischen Vereinsfußball präsentieren. Die künftige Erweiterung auf bis zu vier deutsche Mannschaften werde noch mehr Fans in Deutschland für die stärkste Liga der Welt mobilisieren.
Schächter nannte den Zuschlag einen wichtigen Baustein der Sportstrategie des Senders. Das ZDF habe im Gegenzug auf Übertragungsrechte beim Boxen und der Tour de France verzichtet und verfüge bereits seit einigen Jahren nicht mehr über die Übertragungsrechte für den Europa-League-Vorgänger UEFA-Pokal. Auch deswegen ist die Champions League ein wichtiger Schwerpunkt in der künftigen Ausrichtung der Sportberichterstattung des ZDF.
Das ZDF habe sich mit dem Rechteinhaber darüber verständigt, ab 2013 keine Sponsorenhinweise nach 20.00 Uhr auszustrahlen, sagte Schächter. Dies verbiete der 15. Rundfunkänderungs-Staatsvertrag. Ausgenommen davon seien nur so genannte Großereignisse. Darunter fallen nach der staatsvertraglichen Definition neben den Olympischen Spielen, den Spielen der Fußballnationalmannschaft lediglich die Endspiele der europäischen Vereinsmeisterschaften bei deutscher Beteiligung.
Im Rahmen der Vorberichterstattungen zur Champions League vor 20.00 Uhr sei Sponsoring allerdings weiterhin möglich, versicherte das ZDF seinen Werbekunden. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender sicherte sich die TV-Rechte des höchsten europäischen Fußball-Clubwettbewerbs für drei Jahre einschließlich der Spielzeit 2014/2015. Die Mainzer sollen laut Angaben des Fachmagazins "Sponsors" 54 Millionen Euro pro Jahr für die Free-TV-Rechte zahlen. Der Sender selbst machte keine Angaben zur finanziellen Größenordnung seines Engagements.
Am vergangenen Freitag war die Entscheidung zur Lizenzvergabe durch die UEFA zunächst vertagt worden. Als Grund war die unsichere Rechtssituation beim ZDF-Angebot aufgeführt worden. Dabei ging es laut Angaben der Agentur SID um die Frage, ob der öffentlich-rechtliche Sender nach 20.00 Uhr den verlangten Sponsoren-Verpflichtungen nachkommen kann.
Das Zweite sehe "Ergänzungsbedarf beim Thema Sport", hatte ein Sprecher des Mainzer Senders zuletzt das Interesse am Einstieg in die Übertragungen erklärt. Es handele sich bei der Champions League um ein interessantes Produkt, das das sendereigene Fußballangebot sinnvoll ergänzen könne. Man prüfe eine Beteiligung an der Ausschreibung.
Bei Medienhütern war das Fußball-Engagement des öffentlich-rechtlichen Senders auf massive Kritik gestoßen. Die Übertragung der europäischen Königsklasse habe "mit Grundversorgung wenig zu tun", polterte der Chef der bayerischen Landesmedienanstalt BLM, Wolf-Dieter Ring, in einem Gastbeitrag für das Medienmagazin "Carta". Finanzgebaren und Argumentation der öffentlich-rechtlichen Anstalten seien zudem "äußerst widersprüchlich", so Ring.
Sat 1 hatte dem ZDF während der Verhandlungen vorgeworfen, sich aus der Verpflichtung zur Ausstrahlung von Sponsorenhinweisen durch ein höheres Grundgebot herauskaufen zu wollen und die Werbepartner damit für den Verzicht auf die Ausstrahlung ihrer Trailer wirtschaftlich zu entschädigen. Dem Fußballverband UEFA und seinem Vermarkter droht ein juristisches Nachspiel.
Der unterlegene Privatsender kündigte am Dienstag die Ausschöpfung sämtlicher rechtlichen Möglichkeiten an. "Wir sind nach wie vor überzeugt, dass die Ausstrahlung der Champions League im ZDF problematisch ist und werden alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen", sagte Andreas Bartl, TV-Vorstand der Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa.
Noch nicht vergeben sind dagegen die Rechte für die Europa League, die - wie die Champions League - noch bis 2012 von Sat 1 gezeigt wird. Die Pay-TV-Rechte sollen auch zukünftig bei Sky liegen. Einziger Bewerber im Free-TV soll in diesem Bereich Sat 1 sein. Die UEFA veräußert über die Schweizer Sportrechteagentur TEAM die deutschen Fernsehrechte für die Champions League und die Europa League zwischen 2012 und 2015.




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