Der Elektronikhersteller Sony verärgert auch weiter die Kundschaft seiner Spielekonsole Playstation3, weil das Online-Netzwerk "Playstation Network" mit dem Video-On-Demand-Dienst "Qriocity" seit zwei Tagen ausgefallen ist und die Informationen darüber nur tröpfchenweise publiziert werden.
Am späten Freitagabend (Ortszeit) bestätigte Sprecher Patrick Seybold im US-Blog zumindest, dass es sich um einen Hacker-Angriff handelt und unklar sei, wann die Server wieder betriebsbereit sind. Wörtlich hieß es:
An external intrusion on our system has affected our PlayStation Network and Qriocity services. In order to conduct a thorough investigation and to verify the smooth and secure operation of our network services going forward, we turned off PlayStation Network & Qriocity services on the evening of Wednesday, April 20th. Providing quality entertainment services to our customers and partners is our utmost priority. We are doing all we can to resolve this situation quickly, and we once again thank you for your patience. We will continue to update you promptly as we have additional information to share.
Noch offen ist, wer das "Playstation Network" unter Feuer nimmt, die Hacker-Gruppe Anonymous distanzierte bereits von dem Vorgang. Spieler, die sich einloggen, erhalten lediglich den Fehlercode "80710A06" oder auch wahlweise "8002A203". Noch immer ist der Dienst nicht erreichbar (Stand: 09.46 Uhr, 23. April 2011).
Sony hatte seine Spieler und Video-Kunden zuvor mit einer merkwürdigen Informationspolitik verärgert, die in Blog-Kommentaren harsch kritisiert wurde. Am Mittwochabend hieß es zunächst nur: "Einige Funktionen von PlayStation Network können zurzeit nicht verwendet werden. Wir melden uns so schnell wie möglich mit weiteren Informationen", am Donnerstag danach war an dieser Stelle zu lesen:
"Während wir immer noch die Ursache des Netzwerk-Ausfalls ermitteln,
müssen wir euch mitteilen, dass es einen oder zwei komplette Tage dauern
kann bevor wir den Service wieder komplett herstellen können. Vielen
Dank für eure Geduld."
Über Facebook kam am Vorabend noch die nichts sagende Ansage: "Wie ihr bemerkt habt, setzt sich der unerwartete Ausfall des PSN weiterhin fort. Sämtliche Netzwerk-Angebote stehen im Moment nicht zur Verfügung. Unsere Support Teams untersuchen im Moment die Ursache und ziehen auch einen externen Angriff in Betracht. Sollten die Probleme tatsächlich durch so einen Akt ausgelöst worden sein, möchten wir uns einmal mehr bei euch bedanken, die ja Hauptleidtragenden des Angriffs sind."
Ausgerechnet am langen Osterwochenende kämpft Sony mit technischen Unzulänglichkeiten: Über das "Playstation Network" bzw. "Qriocity" lassen sich nicht nur Games oder Spielfilm-Videos und Musik laden, sondern auch gemeinsam mit anderen PS3-Benutzern Multiplayer-Titel spielen. Zu allem Überfluss veröffentlichte Sony in der Zwischenzeit auch noch ungerührt Tipps, wie mit Hilfe des Online-Dienstes das lange Oster-Wochenende mehr Spaß macht. Angesichts des anhaltenden Ausfalls klang das in den Ohren der geplagten User wie ein schlechter Scherz.
Ausfall zweites Problem innerhalb kurzer Zeit
Für Sony ist der Ausfall das zweite größere Problem innerhalb weniger Wochen. Nach einem erfolgreichen Hackversuch der Playstation3 schwang der Konzern eine große juristische Keule, die neben der Klage gegen den Angreifer George Hotz auch in Hausdurchsuchungen und der Herausgabe von IP-Adressen bei Internet-Providern gipfelte. Sony zog sich damit den erheblichen Unmut von Entwicklern zu, eine Gruppe namens "Anonymous" drohte im Anschluss mit Hack-Angriffen auf den Konzern.
Bei Sonys größtem Konkurrenten, dem US-Hersteller Microsoft mit seiner Spielekonsole XBox360, dürfte die "Playstation Network"-Panne für Heiterkeit sorgen. Mit "XBox Live" betreibt das Unternehmen einen ähnlichen Service, an eine derart lange Ausfallzeit allerdings hatten die Benutzer der XBox noch nicht zu knabbern. Außerdem bietet der Konzern just an diesem Wochenende einen kostenfreien und offenen zugang zu "XBox Live". Etliche PS3-Besitzer kommentierten bereits im Sony-Blog, man werde sich nun nach einer neuen Konsole umschauen, und der Microsoft-Hardware eine Chance geben.




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