Der Österreichische Rundfunk (ORF) sieht sich finanziell auf einem guten Weg. Generaldirektor Alexander Wrabetz legte am Donnerstag vor dem Kontrollgremium Stiftungsrat erste Zahlen fürs abgelaufene erste Geschäftsquartal vor.

Die Werbeerlöse liegen demnach mit einem Plus von 1,3 Millionen Euro über Plan, die Gebührensituation gestaltet sich nach Worten von Wrabetz "stabil". Die höheren Aufwendungen für Sonderproduktionen nach den Katastrophen in Japan den politischen Umwälzungen in Nordafrika und im Nahen Osten wurden aufgefangen, das vorgesehene Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit liege ORF um 0,5 Millionen Euro und im gesamten Medienkonzern um 1,7 Millionen Euro über der Kalkulation. Für das Gesamtjahr erwartet Wrabet "ein um 300.000 Euro besseres Ergebnis als geplant", im Konzern um 4,1 Millionen Euro besser.

Die Werbeeinnahmen betrugen in den ersten drei Monaten 51,6 Millionen Euro. Die Einnahmen aus den Programmentgelten der österreichischen Zuschauer und Zuhörer erreichten 146,0 Millionen Euro - auch deshalb, weil der ORF von einer sogenannten Gebührenrefundierung profitiert, die ihm befristet einen Anteil aus den Zuschauerentgelten garantiert, die eigentlich dem Staat zustehen. Fürs Personal gab der Österreichische Rundfunk 84,5 Millionen Euro aus.

Nach Angaben von Wrabetz wurden im April außerdem bessere Quoten als zuletzt erzielt. Die Fernsehprogramme kamen auf durchschnittlich 3,614 Millionen Zuschauer und damit die höchste Tagesreichweite eines Aprils seit drei Jahren. Mit 76 Prozent Marktanteil besetzten die ORF-Radios in Europa Platz eins. 50,5 Millionen Visits erreichte das ORF.at-Network, mit 208.000 Live-Stream-Abrufen aus der ORF-TVthek feierte die Traumhochzeit von William und Kate in Großbritannnien einen Rekord.

Auf der Sitzung des Stiftungsrates stand auch die Verabschiedung der Jahressendeschemata der Kanäle ORF3 und ORF Sport plus auf der Tagesordnung. Wrabetz verglich den Start von zwei neuen 24-Stunden-Spartensender mit dem Start von 3sat. Beide Programme stünden für "öffentlich-rechtlichen Mehrwert, den nur der ORF als Dienstleister für Österreich bieten kann", erklärte Wrabetz.

Das Programm von ORF3 basiert auf vier Programmsäulen: Kultur/Religion/Volkskultur und Regionalität, österreichische Zeitgeschichte und Zeitgeschehen, Information und europäische Integration sowie Kunst und Kultur. Jeder Wochentag steht unter einem bestimmten Label. So ist der Montag der Doku-Tag. Dienstag steht im Zeichen von Kunst und Kultur. Religion und Wissenschaft gibt es am Mittwoch. Der Donnerstag setzt den Schwerpunkt Europa und Internationales. Freitag ist der Österreich-Tag, auch mit österreichischem Autorenfilm. Am Samstag folgt Zeitgeschichte, am Sonntag Oper, Theater und Konzert.

ORF Sport Plus zeigt Sportarten wie Tennis, Handball, Rudern, Tischtennis, Football, Wasserski oder Marathon. Das Programmschema folgt einem Rotationsprinzip, wobei die Hauptabendstrecke (20.15 Uhr bis 23.15 Uhr) eines Wochentages mehrfach an unterschiedlichen Tagen und zu unterschiedlichen Uhrzeiten blockweise wiederholt wird. Weil ORF Sport Plus auch für Fußball und die Formel1 genutzt werden soll, gibt es scharfe Kritik von den privaten Sendern.

Der ORF-Stiftungsrat genehmigte außerdem einen ORF-Verhaltenskodex zur Trennung von Werbung und Redaktion, ebenso wie ein neues Qualitätssicherungssystem. Beurteilt werden die Ergebnisse durch einen externen Sachverständigen - dafür war Günter Struve bereits im März berufen worden. Struve war von 1992 bis 2008 Programmdirektor der ARD.